Millionen von Haushalten in Deutschland müssen in den kommenden Jahren mit massiv steigenden Heizkosten rechnen. Vor allem mit Gas zu heizen wird richtig teuer. Dafür gibt es mehrere Gründe – und Wege, dem Preisschock zu entgehen.
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Etwa die Hälfte der deutschen Haushalte heizt noch immer mit Gas. Im vergangenen Jahr überholte zwar die Wärmepumpe die Gasheizung beim Absatz. Aber es wurden laut Bundesverband der Deutschen Heizungsindustrie immer noch über 275.000 neue Gasheizungen eingebaut.
Dabei sind die Warnungen fast aller Fachleute eindeutig: Wer mit Gas heizt, muss schon bald sehr hohe Heizkosten tragen. Was lange Zeit als Standardheizung galt, wird zur Kostenfalle. Die neuen Pläne der Regierung für ein reformiertes Heizungsgesetz tragen dazu bei.
Aktuell sorgt zudem der Irankrieg dafür, dass vor allem Neukundenpreise kräftig anziehen. Das zeigt einmal mehr, wie riskant es ist, sich von importierten fossilen Energieträgern abhängig zu machen.
Doch auch ohne internationale Krisen und Konflikte muss Deutschland sich auf steigende Gaspreise einstellen.
Der CO2-Preis steigt
Fossile Brennstoffe verursachen CO2-Emissionen, welche die Klimakrise verschärfen. Um die Erderhitzung zu begrenzen, haben die EU-Staaten sich verpflichtet, ihre Treibhausgasemissionen auf null herunterzufahren. Deutschlands Klimaziel lautet: Klimaneutral ab 2045.
Ein CO2-Preis soll helfen, fossile Brennstoffe unattraktiver zu machen und so die Emissionen zu reduzieren. Dieser CO2-Preis wird unter anderem auf Gas und Öl erhoben und ist in den vergangenen Jahren stetig gestiegen.
- 2025 lag er bei 55 Euro pro Tonne CO2.
- 2026 bewegt er sich in einem Korridor zwischen 55 und maximal 65 Euro.
- Nachdem die EU den Start des europäischen Emissionshandels-Systems (ETS-2) verschoben hat, will die deutsche Bundesregierung 2027 den CO2-Preis zunächst stabil halten – also weiterhin bei maximal 65 Euro pro Tonne.
- 2028 dann startet der europäische Emissionshandel für die Sektoren Gebäude und Verkehr. Der CO2-Preis wird frei am Markt gebildet, bestimmt durch Angebot und Nachfrage. Allerdings soll der Preis nach dem Willen der EU nicht sofort sprunghaft steigen.
- Eine deutliche Steigerung ist 2029 zu erwarten. Fachleute rechnen mit Preisen weit über 100 Euro/Tonne bis hin zu etwa 300 Euro im Jahr 2045.
Das Forschungsprojekt Ariadne prognostiziert für das Jahr 2030 für den Gebäudesektor CO2-Preise zwischen etwa 100 und 140 Euro pro Tonne CO2, mit einer möglichen Steigerung bis über 300 Euro bereits im Jahr 2040.
👉 Jeden Anstieg des CO-Preises spüren Haushalte mit Gasheizung bei den Heizkosten, spätestens mit der Nebenkostenabrechnung. Je höher der Gasverbrauch ist, desto stärker fällt auch der CO2-Preis ins Gewicht.
Eine Analyse von CO2Online hat (allerdings noch vor der Verschiebung von ETS-2) berechnet, dass allein die CO2-Kosten für Gas sich pro Gasheizung über die kommenden 20 Jahre auf rund 15.000 Euro summieren könnten.
Die Gasnetzentgelte steigen
Auch die langsame Abkehr von der Gasheizung wirkt sich für die verbliebenen Haushalte finanziell aus: Je weniger Haushalte an die Gasnetze angeschlossen sind, desto teuer werden die Netzentgelte für diese. Denn die Kosten werden auf alle Nutzer:innen verteilt.
👉 Die Netzentgelte, die laut Verivox derzeit bereits rund ein Viertel am Gaspreis ausmachen, könnten sich so in den kommenden Jahren vervielfachen.
Einer Analyse der Denkfabrik Agora Energiewende könnten sie im Jahr 2045 acht bis 16 Mal so hoch sein wie heute.
Auch eine neuere Studie des Fraunhofer-Institut für Fertigungstechnik und Angewandte Materialforschung (IFAM) im Auftrag des Umweltinstitut München berechnete Ende 2025: Bis 2045 könnten sich die Netzentgelte etwa verzehnfachen. Verbliebene Gaskund:innen müssten in den letzten Jahren dann mit 3.000 bis 4.000 Euro Mehrkosten im Jahr rechnen – allein durch steigende Netzentgelte.
Dazu kommt: Viele Kommunen werden ohnehin nach und nach ihre Gasnetze stilllegen. Denn spätestens 2045 soll Schluss sein mit Gas. Die ersten Städte planen bereits die das Ende ihrer Gasnetze. Die Bundesregierung will noch 2026 gesetzliche Regelungen verabschieden, um eine geordnete Stilllegung der Gasnetze zu ermöglichen.
Neue Gasheizungen müssen grüne Gase verwenden
Schon laut den derzeitigen Regelungen des „alten“, noch gültigen Heizungsgesetzes (Gebäudeenergiegesetz) darf man zwar noch neue Gasheizungen einbauen. Doch ab 2029 muss man dann einen stetig steigenden Anteil „grünes Gas“ (Biogas oder Wasserstoff) nutzen.
Auch die Eckpunkte für eine Reform des Gebäudeenergiegesetzes sehen vor, dass Gas- und Ölheizungen künftig stufenweise immer mehr „grüne“ Brennstoffe verwenden sollen („Biotreppe“), die Energieversorger sollen diese entsprechend liefern („Grüngasquote“). Die genauen Quoten und Zeitrahmen sind noch unklar.
👉 Dabei ist bereits deutlich absehbar, dass grüne Gase vorerst knapp bleiben werden und damit teuer – wenn sie überhaupt in der Breite verfügbar werden. Das treibt die Heizkosten für die Gasheizung noch weiter nach oben.
Übrigens: Nicht nur Gasheizungen werden teurer
Ein knappes Viertel der deutschen Wohnungen hat noch eine Ölheizung (s. BDEW). Auch hier sind die Heizkosten in den vergangenen Jahren bereits gestiegen und werden weiter steigen. Auf Heizöl ist ebenso wie auf Gas ein CO2-Preis fällig. Und dieser wird aller Voraussicht nach in den kommenden Jahren kräftig steigen.
Ein kleines Rechenbeispiel: Aktuell kommt man bei einem Verbrauch von etwa 2.000 Litern Heizöl auf jährliche CO2-Kosten von rund 350 Euro. Würde sich der CO2-Preis 2029 verdoppeln, müsste man dann schon mit rund 700 Euro rechnen. Dazu kommen die Heizölpreise, die vielen Fachleuten zufolge langfristig eher steigen werden.
Empfehlung: Heizungstausch planen
Alle Haushalte, die mit Gas oder Öl heizen, müssen also in den kommenden Jahren mit deutlich höheren Heizkosten rechnen. Nicht in allen Fällen wird es möglich sein, der Kostenfalle zu entgehen.
Mieter:innen haben selbst meist wenig Einfluss auf die Art und Effizienz ihrer Heizung. Zumindest mit den Vermietenden sprechen sollte man aber, um zu erfahren, ob womöglich ein Heizungstausch geplant ist – oder um genau das anzuregen. Darüber hinaus hilft nur sparsames und effizientes Heizen, um Kosten zu sparen.
👉 Klar ist: Eine neue Gasheizung sollte man heute nicht mehr einbauen lassen. Das Kostenrisiko ist zu hoch.
Wer bereits ein Haus mit Gasheizung besitzt, sollte diese vom Fachbetrieb überprüfen und optimieren lassen. Das kann den Gasverbrauch und damit auch die Kosten reduzieren. Gleichzeitig sollte man sich aber bereits mit den Möglichkeiten für einen Heizungstausch beschäftigen.
Informiere dich am besten zunächst nach dem Stand der kommunalen Wärmeplanung. Im besten Fall ist dort heute schon abzusehen, ob irgendwann der Anschluss an ein Fern- oder Nahwärmenetz möglich ist.
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