Ab Januar 2027: Welche Änderungen gelten in Deutschland für Konto, Personalausweis und Führerschein – und was musst du jetzt beachten?

eudi wallet digitaler identitätsnachweis 2027
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Ab Januar 2027 ändern sich in Deutschland Regeln rund um Konto, Personalausweis und Führerschein. Hier erfährst du kompakt, was neu ist, wen es betrifft und was du bis dahin vorbereiten solltest.

Ab Anfang 2027 dürften digitale Identitätsnachweise in der EU häufiger im Alltag auftauchen. Im Zentrum der Änderungen steht die geplante EUDI-Wallet, eine App, die sozusagen als digitale Brieftasche funktioniert. Sie soll den digitalen Identitätsnachweis für Konto, Personalausweis und Führerschein erleichtern.

Eine automatische Umstellungspflicht für alle Alltagsdokumente ist bislang aber nicht geplant: Die Nutzung der EUDI-Wallet-App ist freiwillig. Wie der neue Identitätsnachweis funktioniert, was sich ändert und welche Fragen derzeit noch offen bleiben, zeigt dir unser Überblick.

Was gilt Anfang 2027, und was ist noch offen?

Am klarsten ist derzeit der Zeitplan für die europäische digitale Identität. Laut dem Bundesministerium für Digitales und Staatsmodernisierung (BMDS) soll bis Anfang 2027 in jedem EU-Mitgliedstaat mindestens eine EUDI-Wallet nach gemeinsamen Standards verfügbar sein. Auch Deutschland plant für Anfang 2027 die erste Stufe seiner staatlichen Wallet. Ein fester Januar-Termin ist nicht angekündigt.

Dabei gilt: Die Einführung soll schrittweise laufen, Funktionen und Nachweise kommen nach und nach dazu. Anfang 2027 ist nach heutigem Stand also eher der Start, nicht der Zeitpunkt, ab dem sofort alle Anwendungen vollständig funktionieren.

Welche Funktionen schon in der ersten Stufe verfügbar sind, ist noch offen. Die Wallet soll freiwillig und kostenlos sein, analoge Dienste sollen weiterlaufen. Wenn du auf dem Laufenden bleiben willst, informiere dich auf der amtlichen Projektseite sowie über Mitteilungen deiner Bank oder Behörde.

Was die Wallet fürs Bankkonto bedeutet

Die EUDI-Wallet-App soll das Online-Banking künftig erleichtern.
Die EUDI-Wallet-App soll das Online-Banking künftig erleichtern. (Foto: CC0 / Pixabay / Firmbee)

Viele fragen sich zuerst, was die neue Wallet für ihr Bankkonto bedeutet. Eine Pflicht, dein Bankkonto oder Online-Banking ab Anfang 2027 umzustellen, ist bisher nicht angekündigt.

Der digitale Identitätsnachweis soll unter anderem Identifikationsprozesse im Online-Banking erleichtern und die Prüfung von Ausweisdaten seitens der Bank beschleunigen. So soll es laut der Verbraucherzentrale zum Beispiel auch schneller gehen, ein Bankkonto zu eröffnen oder digitale Zahlungen freizugeben

Konkrete Änderungen wie zum Beispiel eine neue Kontopflicht oder Gebührenanpassungen für Kund:innen soll es nach aktuellem Stand zunächst nicht geben. Wenn deine Bank später Wallet-Funktionen nutzt, wird sie dich direkt über konkrete Schritte informieren.

Tipp: Denkst du über einen Bankwechsel nach? In unserem Ratgeber liest du mehr darüber, warum es sich lohnt, zu einer grünen Bank zu wechseln.

Personalausweis und Führerschein: Zunächst eine digitale Option

Zum digitalen Identitätsnachweis bei Personalausweis und Führerschein sind schon mehr Details bekannt als beim Konto, aber noch nicht alle. Grundsätzlich soll die EUDI-Wallet Nachweise digital abbilden – dafür nennt das BMDS Personalausweis und Führerschein ausdrücklich als Beispiele. Außerdem soll die App sicheres Ausweisen online und offline ermöglichen.

Das heißt aber nicht, dass dein Ausweis oder Führerschein Anfang 2027 automatisch ersetzt wird. Geplant ist eine schrittweise Entwicklung. Ob sich Personalausweis und Führerschein zum Start schon vollständig in die App integrieren lassen, ist noch nicht verbindlich festgelegt.

Gehe daher nicht von einer Umtauschpflicht aus und behalte deine physischen Dokumente, bis eine zuständige Behörde dir offiziell etwas anderes mitteilt.

Datenschutz, Sicherheit und Transparenz: Wo bleiben Fragezeichen?

Wie sicher sind auf dem Smartphone hinterlegte Ausweisdaten?
Wie sicher sind auf dem Smartphone hinterlegte Ausweisdaten? (Foto: CC0 / Pixabay / rmartinr)

Wenn Ausweis- und Führerscheindaten künftig auf dem Smartphone liegen sollen, ist Datenschutz entscheidend. Offiziell verspricht das BMDS für die staatliche EUDI-Wallet „höchste technische Sicherheitsstandards“. Die Wallet soll persönliche Daten ausschließlich auf dem Smartphone der Nutzer:innen speichern und sie dort verschlüsselt verarbeiten.

Außerdem, so versichert das BMDS, sollen zentrale Datenspeicherung und Profilbildung technisch ausgeschlossen sein. Eine zentrale Datenbank hätte wiederum andere Risiken als lokal gespeicherte Nachweise auf Endgeräten. Auch Transparenz ist angekündigt: Der Quellcode der staatlichen Wallet soll öffentlich zugänglich sein, damit unabhängige Stellen die Wallet leichter prüfen können.

Dennoch melden Verbraucherschützer:innen Bedenken an der Wirksamkeit des geplanten Datenschutzes an, wie die Verbraucherzentrale berichtet. Zwar werden die Daten nicht in einer zentralen Datenbank gespeichert, ihre Verarbeitung wird aber dennoch über einen zentralen Verwaltungsserver gesteuert. Hier stellt sich die Frage, wie angreifbar dieses zentrale Verarbeitungssystem für Dritte ist. 

Unklar ist in der Praxis noch, welche Geräte unterstützt werden, wie die Wiederherstellung nach Geräteverlust läuft und was offline tatsächlich funktioniert.

App-Entwicklung: Testbetrieb schon für 2026 geplant

Viele Details sind auch deshalb offen, weil 2027 nicht als fertiger Komplettstart geplant ist. Für 2026 ist laut BMDS schon ein Testbetrieb der EUDI-Wallet geplant, um die technische Umsetzung zu prüfen und den Weg zum Regelbetrieb vorzubereiten.

Dafür ist eine Sandbox vorgesehen. Das ist eine Testumgebung, in der Organisationen Anwendungen realitätsnah erproben können, ohne dass schon alles im Alltag verfügbar ist. 2026 werden in diesem Rahmen die Identifizierung über Personenidentifizierungsdaten (kurz PID) sowie über Electronic Attestations of Attributes (kurz EAA) getestet. Bei EEA handelt es sich um eine weitere Form des digitalen Nachweises, anhand derer sich zum Beispiel persönliche Daten wie der Wohnort oder die berufliche Qualifizierung überprüfen lassen.   

Die Sandbox soll schrittweise um weitere Nachweise und Anwendungsszenarien erweitert werden. Rechne daher mit einem wachsenden Angebot, nicht mit einem einzigen Stichtag für alle Funktionen.

Checkliste bis Anfang 2027: Das kannst du jetzt tun

Ob mit oder ohne App: Behalte das Ablaufdatum deiner Ausweisdokumente immer im Auge.
Ob mit oder ohne App: Behalte das Ablaufdatum deiner Ausweisdokumente immer im Auge. (Foto: CC0 / Pixabay / Mondisso)

Bis Anfang 2027 musst du keine pauschale Pflicht-App einplanen. Behalte lieber offizielle Informationen im Auge, statt vorsorglich Konten oder Dokumente zu ändern.

Folgendes kannst du tun, um dich auf die Einführung der EUDI-Wallet vorzubereiten:

  • Dokumente prüfen: Kontrolliere die Ablaufdaten von Personalausweis und Führerschein wie bisher, leite daraus aber keine neue Umtauschpflicht ab 2027 ab.
  • Bankinformationen abwarten: Eine Umstellung des Online-Bankings ist erst sinnvoll, wenn deine Bank dich dazu auffordert und konkrete und nachvollziehbare Schritte nennt.
  • Gerät nicht vorschnell ersetzen: Zur Geräteunterstützung und zur Offline-Nutzung gibt das BMDS noch keine abschließenden Details an. Ein vorschneller Smartphone-Neukauf kann unnötige Kosten und vermeidbaren Elektroschrott verursachen. (Interessant dazu auch: Warum ich Smartphones nur gebraucht kaufe – und welche 12 Tipps ich dabei beachte.)
  • Ausbau einplanen: Alternative Wallet-Anbieter sollen nach derzeitiger Planung des BMDS erst rund zwölf Monate nach Einführung der staatlichen Wallet zertifiziert und anerkannt werden können.

Wenn du die Wallet voraussichtlich nutzen wirst, etwa für digitale Behördendienste, setze dir für Ende 2026 eine Erinnerung, die amtliche Projektseite zu prüfen. Ansonsten reicht es vorerst, deine bestehenden Dokumente gültig zu halten.

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