Mit der richtigen Pflanzenwahl für den Garten kannst du heimische Wildbienen auf Nahrungssuche unterstützen. Eine besondere Anziehungskraft übt die selten gewordene Wiesenglockenblume auf sie aus.
Der Begriff „Wildbienen“ bezieht sich grundsätzlich auf Bienenvölker, die nicht von Imker:innen gehalten werden, sondern in freier Natur leben. In Deutschland gibt es rund 560 Wildbienenarten, deren Vielfalt aber zunehmend bedroht ist: Mehr als die Hälfte der heimischen Arten ist laut Angaben des BUND bestandsgefährdet, davon sind 31 akut vom Aussterben bedroht.
Der Rückgang der Bestände ist nicht nur für die Bienen selbst problematisch, sondern hat weitreichende Konsequenzen für das gesamte Ökosystem. Schließlich ist eine ihrer wichtigsten Aufgaben die Bestäubung von Pflanzen, darunter viele Nutzpflanzen, die unsere eigene Ernährung sichern. Das Bienensterben stellt deshalb auch für den Menschen eine Bedrohung dar.
Am besten kannst du den gefährdeten Wildbienen helfen, indem du in deinem Garten oder auf dem Balkon heimische Pflanzen kultivierst, die sie mit Nahrung versorgen. Eine besonders bienenfreundliche Art, die aber selbst immer seltener in freier Natur vorkommt, ist die Wiesenglockenblume.
Für welche Insekten ist die Wiesenglockenblume wichtig?
Die Wiesenglockenblume wächst bevorzugt auf nährstoffarmen Böden, zum Beispiel auf Magerwiesen, an Wegrändern und in lichten Wäldern. An den typisch glockenförmigen Blüten und der auffällig blauen bis violetten Färbung ist sie gut zu erkennen.
Von diesen Blüten werden auch zahlreiche Wildbienenarten und andere Insekten angezogen. Ein großer Vorteil dabei ist die lange Blütezeit der Wiesenglockenblume, die von Mai bis in den Spätsommer reicht. Sie bietet den Insekten also über mehrere Monate hinweg Nektar und Pollen.
Für einige Arten ist die Wiesenglockenblume besonders wichtig. Das trifft insbesondere auf die Glockenblumen-Scherenbiene zu, eine Wildbienenart, die sich bei der Nahrungssuche auf Glockenblumen spezialisiert hat. Ihr Überleben ist also eng an das Fortbestehen der Wiesenglockenblume gebunden. Viele andere, nicht spezialisierte Wildbienenarten fliegen die Blüten der Blume aber ebenfalls an. Dazu zählen etwa Mauerbienen, Maskenbienen und Seidenbienen.
Insgesamt bedienen sich 33 heimische Wildbienenarten am Nahrungsangebot der Wiesenglockenblume. Darüber hinaus versorgt sie auch Raupen, Käfer und Schwebfliegen.
Die Wiesenglockenblume: Selbst eine bedrohte Art
Die Wiesenglockenblume war früher in freier Natur weit verbreitet. Mittlerweile geht sie aber zurück, so wie auch andere Glockenblumenarten. Das liegt vor allem am Ausbau der Landwirtschaft, der dazu führt, dass mehr Weide- und Wiesenflächen intensiv genutzt werden. Für heimische Pflanzen und Insekten, deren Lebensräume durch die Nutzung eingeschränkt werden, stellt das ein Problem dar.
Insbesondere intensives Düngen, häufiges Mähen und Überweidung sorgen laut dem ökologischen Anbauverband Bioland dafür, dass die Bestände der Wiesenglockenblume zurückgehen. Dieser Rückgang ist so weit fortgeschritten, dass sie inzwischen sogar auf der Roten Liste bedrohter Tiere und Pflanzen steht.
Wiesenglockenblume pflanzen: Der richtige Ort
Es gibt aber auch eine gute Nachricht: Als Wildpflanze ist die Wiesenglockenblume unkompliziert und stellt keine hohen Standort- oder Pflegeansprüche. Du kannst sie deshalb leicht selbst anpflanzen. Damit leistest du gleich einen doppelten Beitrag zum Artenschutz, denn du hilfst sowohl der Wiesenglockenblume als auch den vielen Insektenarten, die teilweise oder komplett auf sie angewiesen sind.
Wie schon erwähnt, wächst die Wiesenglockenblume besonders gut auf nährstoffarmem Boden. Zudem sollte die Erde am Standort durchlässig sein, weil die Pflanze mit Staunässe schlecht zurechtkommt. Ein frischer bis leicht feuchter Boden ist aber kein Problem, sondern sogar von Vorteil.
Außerdem solltest du beim Ansiedeln der Wiesenglockenblume darauf achten, dass sie genug Licht abbekommt. Pflanze sie allenfalls im Halbschatten, besser an einer vollsonnigen Stelle an. Je sonniger es am Standort ist, desto üppiger fällt die Blüte aus.
Pflanzanleitung für Garten und Balkon
Die Wiesenglockenblume kannst du ganz einfach per Aussaat heranziehen. Sie wächst sowohl im Garten als auch im Topf. Der beste Zeitpunkt zum Ausbringen des Saatguts liegt zwischen März und Juli.
Folgendes solltest du dabei beachten:
- Die Wiesenglockenblume ist ein Lichtkeimer. Bringe die Samen deshalb auf offenem Boden oder auf einer Grasnarbe aus. Auf dicht bewachsenen Wiesen keimen sie schlecht, weil nicht genug Sonne zu ihnen durchdringt. Deshalb solltest du die Samen nach der Aussaat auch nicht mit Erde bedecken – es genügt, sie leicht anzudrücken, damit sie beim Gießen oder bei Regen nicht weggeschwemmt werden.
- Achte auf einen Abstand von 20 bis 30 Zentimetern zwischen den Samen, damit die Blumen später nicht zu dicht beieinander stehen.
- Halte die Erde nach der Aussaat gut feucht, vermeide aber Staunässe. Nach zwei bis drei Wochen sollten die jungen Wiesenglockenblumen schon keimen.
Statt im Freiland kannst du die Wiesenglockenblume auch im Topf oder Kübel züchten. Zunächst kannst du pro Topf etwa fünf bis zehn Samen aussäen. Sobald die kleinen Pflänzchen heranwachsen, solltest du sie aber pikieren, damit sie beim Heranwachsen genug Platz haben. Ansonsten gilt auch hier: Suche einen geeigneten Standort aus, bedecke die Samen nicht mit Erde und halte sie feucht, bis sie keimen.
Wiesenglockenblume richtig pflegen
Die Wiesenglockenblume ist eine pflegeleichte Pflanze, die zwei Jahre blüht und dann abstirbt. Diese Punkte solltest du bei der Pflege aber beachten:
- Gießen: Der Boden sollte immer feucht bleiben und nie ganz austrocknen. Das Entstehen von Staunässe solltest du aber unbedingt vermeiden. Gieße also regelmäßig, aber vorsichtig.
- Düngen: Im Frühjahr kannst du die Wiesenglockenblume mit etwas Kompost versorgen. Ansonsten braucht sie keinen Dünger, da sie mit wenig Nährstoffen gut auskommt.
- Schnitt: Besonders wichtig ist es, die Wiesenglockenblume nicht zu oft und nicht zu früh im Jahr zu schneiden, sonst beeinträchtigt der Schnitt die Blüte und die Aussamung. Schneide sie erst im Herbst zurück, wenn die Blütezeit zu Ende ist.
- Überwintern: Die Wiesenglockenblume ist winterhart. Vor Frost musst du sie nicht schützen.
Tipp: Weitere insektenfreundliche Pflanzen stellen wir dir in diesem Artikel vor: Empfehlenswert: 11 bienenfreundliche Pflanzen für Garten und Balkon.
Unabhängiger Journalismus braucht Menschen, die dahinterstehen - auch in der Google-Suche. Jetzt ein Signal für mehr Nachhaltigkeit setzen und → Utopia als bevorzugte Quelle hinterlegen.
Qualitätsversprechen: Wir nutzen KI als redaktionelles Hilfsmittel. Prüfung und Verantwortung bleiben immer beim UTOPIA-Team – Unsere KI-Leitlinien.
















