Die Ökobilanz hilft dir dabei, einen Überblick über deinen Einfluss auf die Umwelt zu erhalten und ein umweltfreundlicheres Leben zu führen. Wie sich die Ökobilanz zusammensetzt und wie du sie berechnen kannst, erfährst du hier.
Unser Lebensstil hat Auswirkungen auf die Umwelt: Die meisten Dinge, die wir kaufen oder konsumieren, verbrauchen Energie und Ressourcen. Die Ökobilanz ist eine Methode, die Auswirkungen unseres Lebensstils auf die Umwelt zu bewerten.
Eine solche Bilanz lässt sich nicht nur für Produkte erstellen, sondern auch für Dienstleistungen oder Verhaltensweisen. Beispielsweise verbrauchst du Energie und produzierst Treibhausgase, wenn du mit dem Auto fährst oder mit dem Flugzeug fliegst. Somit haben diese Handlungen oder Dienstleistungen eine schlechte Ökobilanz.
Ökobilanz: Umfassender Ansatz

Die Ökobilanz fasst die Auswirkungen auf die Umwelt zusammen, die ein Produkt oder eine Handlung hat. Dazu zählt nicht nur das Endprodukt oder die Handlung an sich, sondern alle Prozesse, die sie begleiten:
- Welche Rohstoffe benötigt das Produkt?
- Wie wird es hergestellt, verarbeitet und transportiert?
- Was passiert nach dem Gebrauch, wie wird es entsorgt?
- Verschmutzt das Produkt Gewässer oder produziert es Treibhausgase?
Die Ökobilanz berücksichtigt also alle eingesetzten Ressourcen, die aufgewandte Energie sowie entstehende CO2-Emissionen und Abfälle. Um die umfassenden Folgen für die Umwelt zu erfassen, bezieht die Ökobilanz die Effekte auf alle Umweltmedien mit ein: Luft, Wasser und Boden.
Wie wird eine Ökobilanz erstellt?

Die Grundsätze für das Erstellen einer Ökobilanz sind durch internationale Standards festgelegt und wurden in das deutsche DIN-System übertragen. Das Umweltbundesamt fasst sie in vier Schritten zusammen:
- Zuerst wird bestimmt, was genau untersucht werden soll. Das ist bei Dienstleistungen und Handlungen oft weniger klar als bei Produkten.
- Anschließend werden verfügbare Daten darüber gesammelt, wie viele Ressourcen und wie viel Energie der Untersuchungsgegenstand benötigt und welche Emissionen und Abfälle durch ihn entstehen. Sie werden in der Sachbilanz zusammengefasst.
- In der Wirkungsabschätzung führt die Ökobilanz alle potenziellen Wirkungen auf, die der Untersuchungsgegenstand auf die Umwelt hat. Sie berücksichtigt dabei auch, ob knappe Ressourcen verwendet werden oder Gesundheitsrisiken für Menschen entstehen.
- Abschließend werden die Ergebnisse ausgewertet und in der Ökobilanz zusammengefasst.
Im besten Fall ist die Ökobilanz transparent, nachvollziehbar und umfassend. Um das zu erreichen, sind sowohl betroffene Verbände als auch Wissenschaftler:innen und Expert:innen an der Erstellung beteiligt.
Mit welchen Daten wird die Ökobilanz berechnet?

Eine Ökobilanz basiert auf einer großen Datenmenge. Um sie zu erstellen, müssen alle Lebensstadien eines Produkts (Herstellung, Nutzung, Recycling) in vergleichbare Daten übersetzt werden: Welche Menge an Ressourcen wurde verbraucht, wie viel Energie eingesetzt, welcher Transportweg zurückgelegt? Die Normen für die Bewertung sind in der ISO 14044 festgelegt. Dadurch ist die Ökobilanz transparent und nachvollziehbar.
Allerdings ist es nicht einfach, geeignete Daten für eine Ökobilanz zu finden – besonders nicht für Laien. Das Umweltbundesamt bietet in der kostenlosen Datenbank ProBas Quellen an, mit denen du die Ökobilanz bestimmter Produkte und Dienstleistungen berechnen kannst. Sie umfasst öffentliche Daten zu verschiedenen Prozessen, die mit dem Produkt oder der Dienstleistung verbunden sind: Energieverbrauch, Materialien, Transport und Entsorgung.
Die Daten stammen teilweise vom Umweltbundesamt selbst oder von unabhängigen Forschungseinrichtungen wie dem Öko-Institut oder ifeu. Bevor sie in die ProBas-Datenbank kommen, werden die Daten grundsätzlich geprüft und aufbereitet. Die ProBas-Datenbank ist außerdem die Grundlage für die Ökobilanz-Software GEMIS, mit der du selbst Ökobilanzen erstellen kannst.
Die Europäische Kommission stellt eine weitere öffentliche Datenbank für Ökobilanzen zur Verfügung.
Wie verlässlich sind Ökobilanzen?

Öffentliche Daten für Ökobilanzen werden in der Regel von unabhängigen Instituten erstellt und geprüft, bevor sie veröffentlicht werden. Sie sind somit eine zuverlässige Quelle.
Genauer hinsehen solltest du allerdings, wenn verschiedene Ökobilanzen verglichen werden. Ein guter Vergleich sollte nachvollziehbar sein und auf ähnlichen Grundannahmen basieren. Die Ökobilanz elektronischer Geräte kann beispielsweise von der Größe des Haushalts beeinflusst werden, der sie nutzt: Eine Familie benutzt ihre Waschmaschine häufiger als eine Einzelperson. Achte also darauf, was genau verglichen wird und ob dir dieser Vergleich sinnvoll vorkommt.
Umstritten sind auch Vergleiche zwischen verschiedenen Umweltauswirkungen. Selbst wenn eindeutige Daten vorliegen, müssen die Umweltauswirkungen eventuell gegeneinander abgewogen werden. Ist eine Plastikverpackung ökologischer als eine große Menge Treibhausgase? Die Antwort folgt dabei meist politischen Prioritäten.
Umstrittene Ökobilanzen: ein Beispiel

Auch andere Faktoren können eine Ökobilanz verfälschen. Das zeigt die Diskussion um Ökobilanzen von Getränkeverpackungen. Das Umweltbundesamt hat dazu in den vergangenen Jahrzehnten mehrere Studien erstellt, die als Grundlage für politische Entscheidungen dienten.
Umweltverbände wie die Deutsche Umwelthilfe kritisierten jedoch einzelne Ergebnisse. Sie bemängeln, dass manche Verpackungsarten nicht berücksichtigt würden und Vergleiche schwer nachvollziehbar seien – etwa wenn Flaschen aus unterschiedlichen Materialien und mit verschiedener Füllhöhe verglichen werden. Zudem werfen sie der Studie vor, PET schönzurechnen.
Das Umweltbundesamt überprüfte die Studie daraufhin. Ökobilanzen müssen intern kritisch geprüft werden und werden deshalb gemeinsam mit Fachleuten und einem unabhängigen Expert:innenkreis erstellt.
Auch neuere Ökobilanzen zu Getränkeverpackungen sind weiterhin umstritten. So sorgte eine 2020 veröffentlichte Ökobilanz von Getränkekartons für Kritik von verschiedenen Akteuren. Bemängelt wurden unter anderem Annahmen zum Recycling der Verpackungen, der Einsatz von Neumaterial in den Modellrechnungen sowie bestimmte Gutschriften für Verwertungsprozesse.
Das Umweltbundesamt überprüfte die Studie anschließend und ging in einer eigenen Bewertung auf die Kritikpunkte ein. Das Beispiel zeigt: Wie eine Ökobilanz ausfällt, hängt stark davon ab, welche Annahmen die Forschenden treffen und was genau sie in ihre Berechnung einbeziehen.
Die Ökobilanz für nachhaltige Verbraucher

Die Ökobilanz fasst die Auswirkungen unseres Lebensstils auf die Umwelt zusammen. So kann sie dir dabei helfen, nachhaltige Entscheidungen zu treffen. Mithilfe der jeweiligen Ökobilanzen kannst du zum Beispiel verschiedene Produkte vergleichen und dich für das umweltfreundlichste entscheiden. Für nachhaltige Unternehmen ist die Ökobilanz eine Chance, die Umweltverträglichkeit ihrer Produkte zu bewerben.
Tipp: Du kannst auch ohne eine umfassende Ökobilanz nachhaltige Entscheidungen treffen. Die Verfügbarkeit der verwendeten Ressourcen, den Transportweg und die Entsorgungsmöglichkeiten lassen sich oft auch ohne genaue Daten abschätzen. Saisonale und regionale Produkte aus nachwachsenden Ressourcen sind meist die beste Wahl fürs Klima.
Überarbeitet von Adriana Jodlowska
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