Brennnesseljauche ist einer der beliebtesten Dünger für Tomaten. Aber macht die Jauche wirklich so einen großen Unterschied? Wir haben es an zwei Tomatenpflanzen getestet.
Wer einen natürlichen Dünger für Tomatenpflanzen sucht, bekommt früher oder später die Empfehlung: Brennnesseljauche. Doch auch wenn es günstig und einfach ist, Brennnesseljauche selber zu machen, zögern manche Gärtner:innen, sie zu verwenden. Schließlich ist sie für ihren intensiven Gestank bei der Herstellung und Anwendung berüchtigt.
Aber überwiegen die Vorteile die Nachteile? Ich habe über mehrere Wochen eine Tomatenpflanze mit und eine Tomatenpflanze ohne Brennnesseljauche gegossen, um zu testen, ob sich für mich persönlich das Anmischen der Jauche auf Dauer lohnt.
Test: Mit Brennnesseljauche düngen – die Tomatenpflanzen
Für den Test habe ich zwei Philamina-Tomatenpflanzen aus Bio-Saatgut vorgezogen. Anfang Mai habe ich die Tomatenpflanzen ins Gewächshaus gesetzt. Dabei habe ich darauf geachtet, den beiden Pflanzen möglichst gleiche Startbedingungen zu verschaffen.
Beide Pflanzen habe ich auf der gleichen Seite des Gewächshauses in gut gedüngten Boden gesetzt, sie mit einer Rankhilfe aus Schnur gesichert und ihnen Ollas als Bewässerungshilfen gegeben. Ich habe mir auch den ursprünglichen Größenunterschied der Tomaten notiert – etwa zehn Zentimeter –, um den Einfluss der Jauche auf das Wachstum akkurater verfolgen zu können.
Über die nächsten Wochen galt folgende Regel:
- Die linke Tomatenpflanze habe ich etwa alle zehn Tage mit Brennnesseljauche gegossen (ein Liter Jauche auf zehn Liter Wasser).
- Die rechte Tomatenpflanze bekam keine Brennnesseljauche oder sonstige Dünger.
Hinweis: Im Nachhinein hätte ich die Pflanzen gerne noch weiter auseinandergesetzt beziehungsweise die „jauchelose“ Test-Tomate mehr isoliert. Denn Tomaten können weit verzweigte Wurzelnetze bilden. Ich kann also nicht ausschließen, dass die Wurzeln der jauchelosen Tomate einfach in Richtung der Jauche-Tomate gewachsen sind und sie von deren Dünger „mitgenascht“ hat. So oder so waren die Unterschiede zwischen den Tomatenpflanzen über die nächsten Wochen allerdings auffällig.
Mit oder ohne Jauche düngen: Das Wachstum der Tomatenpflanzen im Vergleich
Nach einem Monat im Gewächshaus waren beide Tomatenpflanzen kräftig am Wachsen, das Blattwerk gesund und die Haupttriebe kräftig. Doch es gab auch erste deutliche Unterschiede:
- Die Jauche-Tomate (links) war inzwischen über 15 Zentimeter größer als ihre ungedüngte Nachbarin.
- Auch bildete die Jauche-Tomate im Vergleich sichtlich mehr Nebentriebe aus.
- Am auffälligsten war, dass die Jauche-Tomate deutlich früher erste Blüten bildete, aus denen später die Tomaten hervorgehen würden.
Also setzte ich den Test noch für weitere vier Wochen fort, um zu beobachten, ob sich der „Vorsprung“ der Jauche-Tomate weiter vergrößern würde.
Nach zwei Monaten: Jauche-Tomate im Vorsprung
Verglichen mit der Tomatenpflanze, die ich nicht mit Brennnesseljauche oder einem anderen organischen Dünger versorgt hatte, war die Jauche-Tomate nach zwei Monaten deutlich größer und kräftiger.
Ein genauerer Vergleich:
- Die Jauche-Tomate ist nach zwei Monaten 30 Zentimeter größer als ihre düngerlose Nachbarin.
- Beide Tomatenpflanzen sind insgesamt gesund und auch Tomatenkrankheiten zeigen keine Vorliebe für die eine oder die andere Pflanze. Aber die Jauche-Tomate bildet weiterhin mehr Nebentriebe aus.
- Während die jauchelose Tomate etwa fünfzehn Blütenbündel mit Tomatenansätzen hat, konnte ich bei der Jauche-Tomate ganze 21 Blütenbündel zählen. Voraussichtlich wird die mit Brennnesseljauche gedüngte Tomate also eine höhere Ernte einbringen.
Tomaten mit oder ohne Brennnesseljauche gießen: Zwischenfazit
Die Tomate, die ich mit Brennnesseljauche gegossen habe, zeigte auf allen Ebenen mehr Wachstum als ihre Nachbarin. Das bedeutet nicht, dass die Tomate ohne Jauche kränklich wäre oder keinen Ertrag bringt: Beide Tomatenpflanzen tragen erste Früchte, wenn auch in unterschiedlicher Zahl.
Ich bin mir sicher, dass sich die Unterschiede zwischen den beiden Tomatenpflanzen nicht zu hundert Prozent auf die Versorgung mit Jauche zurückführen lassen – dafür gibt es bei Pflanzen einfach zu viele Mikro-Faktoren, die das Wachstum beeinflussen. Meiner Erfahrung nach kann schon ein Quadratmeter weiter rechts im selbstgebauten Gewächshaus oder ein minimal anderer Luftzug an verschiedenen Stellen Einfluss auf die Tomaten nehmen. Zusätzlich kann ich auch nicht ausschließen, dass sich die jauchelose Tomate bei den umliegenden Pflanzen mit etwas Dünger versorgt hat.
Trotzdem kann ich für mich sagen: Das Düngen mit Brennnesseljauche lohnt sich eindeutig, wenn ich das Wachstum und die Blütenbildung der beiden Testpflanzen vergleiche. Ein Tipp: Gesteinsmehl in Brennnesseljauche mindert den Gestank, was die größten Vorbehalte gegen die Nutzung von Brennnesseljauche vielleicht beseitigen kann.
Was durch den Versuch noch nicht geklärt ist, ist die Frage, inwiefern sich Brennnesseljauche auf den Geschmack der Tomaten auswirkt. Um das herauszufinden, habe ich den Test noch bis zur Ernte fortgesetzt.
Fazit zur Brennnesseljauche: Die Tomatenernte
Gegen Ende der Saison steht für mich nun fest, dass sich das Ansetzen von Brennnesseljauche für Tomatenpflanzen mehr als lohnt. Ich habe den Versuch bis Ende August fortgesetzt, also insgesamt über eine Zeitspanne von siebzehn Wochen, vom Auspflanzen bis zur Erntephase.
Meine Beobachtungen zur Tomatenernte: Die Tomate, die ich nicht mit Jauche gedüngt habe, bildete zwar auch eine Vielzahl an Früchten aus. Diese waren jedoch in der Regel etwas kleiner als die ihrer Beetnachbarin, die Brennnesseljauche bekommen hat. Außerdem schätze ich, dass die ungedüngte Pflanze etwa ein Drittel weniger Früchte produziert hat.
Geschmacklich merkte ich bei den Tomaten allerdings keinen großen Unterschied. Alle geernteten Tomaten waren süß, fruchtig und sehr schmackhaft. Wer also Tomaten für Tomatensalat, selbstgemachte Tomatensauce oder gefüllte Tomaten anpflanzen möchte, ist nicht zwingend auf Brennnesseljauche angewiesen. Allerdings überwiegen für mich persönlich die Vorteile von Brennnesseljauche.
Unabhängiger Journalismus braucht Menschen, die dahinterstehen - auch in der Google-Suche. Jetzt ein Signal für mehr Nachhaltigkeit setzen und → Utopia als bevorzugte Quelle hinterlegen.
Qualitätsversprechen: Wir nutzen KI als redaktionelles Hilfsmittel. Prüfung und Verantwortung bleiben immer beim UTOPIA-Team – Unsere KI-Leitlinien.















