Blutige Rache: Musical-Thriller "Sweeney Todd" in Schwerin
Mörderisch und blutrünstig ist die Rache in "Sweeney Todd". Das Musical feiert heute Premiere im Schweriner Theaterzelt und fragt: Wie steht es um unsere Rachegelüste? Steckt in uns allen ein bisschen Sweeney?
Der Musical-Thriller von Stephen Sondheim feierte im März 1979 seine Premiere am Broadway in New York. Jetzt erlebt die Geschichte um einen Barbier, der Bärte rasiert und Kehlen durchschneidet, seine Premiere am Mecklenburgischen Staatstheater.
Auf der Schweriner Theaterbühne ist es düster wie in London. Hier spielt die Geschichte um den Barbier Benjamin Barker, der in London wohlbekannt ist. Doch dann verliert er Frau und Kind an den skrupellosen Richter Turpin. Nach 15 Jahren in der Verbannung kehrt Benjamin Barker unter neuem Namen und mit Rachegelüsten zurück.
Als Sweeney Todd - gespielt von Christoph Filler - eröffnet er einen Herrensalon in der Fleet Street. Eine Kooperation der besonderen Art entsteht mit der darunter liegenden Bäckerei von Mrs. Lovett (Stefanie Dietrich). Ihre Fleischpasteten erfreuen sich bald ungewöhnlicher Beliebtheit.
"Grusical": Mord selten Thema in Musicals
Die Regie für diese Schweriner Inszenierung hat als Gast Sandra Wissmann übernommen. Sie freut sich, mal ein "Grusical" machen zu können. Zumal die Thematik im Musical nicht so häufig vorkomme. Aber: "Tatsächlich habe ich ja auch schon 'Bonnie und Clyde' gemacht. Ein bisschen Morderfahrung habe ich also. Mir liegt das Krimi-Genre", verrät Sandra Wissmann.
Mord aus Rache: Sind wir alle ein bisschen Sweeney?
Sweeney Todd sucht Gerechtigkeit und geht dafür über Leichen. Dabei haben die Zuschauer dieses Stücks durchaus Sympathien mit dem Mörder - und das sei so gewollt. Am Ende verstehen zu können, warum jemand etwas tut und warum jemand dahin kommt, wo er hinkommt, sei das Ziel ihrer Inszenierung, erklärt Wissmann.
"Eigentlich müsste es so sein, dass man am Ende möchte, dass der Richter stirbt, der Böse. So ist es tatsächlich. Am Ende des Abends kann man sich fragen: Wie viel Sweeney ist denn auch in mir? Ja, in jedem steckt ein bisschen Sweeney", behauptet die Regisseurin. Rachegelüste gebe es bei jedem. Die Frage sei, ob man sie auslebe.
Hauptdarsteller Filler singt auf Deutsch
Er darf diese Rachegelüste auf der Bühne ausleben - Christoph Filler. Der Österreicher ist als Gast für dieses Musical engagiert. Er hat den Sweeney bereits vor drei Jahren am Landestheater in Innsbruck gesungen - allerdings auf Englisch. Auf Deutsch sei das Stück eine neue Herausforderung für ihn: "Sondheim-Texte auf Deutsch umgedichtet ist eine neue Herausforderung. Sonst habe ich tatsächlich wenig Musical-Erfahrung", sagt Christoph Filler. Allerdings lägen seine frühen Wurzeln im Musical. Denn als neunjähriger Junge hat er im Musical Elisabeth in Wien zwei Spielzeiten lang den Kronprinz Rudolf gesungen.
Räumliche Nähe zum Publikum im Zelt
In dieser Schweriner Inszenierung ist das fast schwarze Bühnenbild sehr reduziert, Bäckerei und Barbiershop werden nur mit wenigen Details skizziert. Die Solisten und der Chor stehen im Mittelpunkt. Regisseurin Sandra Wissmann empfindet das Theaterzelt gar nicht als Ausweichspielstätte, denn hier sei die Verbindung zwischen Publikum und Bühne viel näher:
"Wir wollten gerne das Stück nah an die Leute heranholen und die Straßen von London auferstehen lassen. Dementsprechend sind wir sehr glücklich über diese Verbindungsmöglichkeit, die wir im Haus nicht gehabt hätten. So haben wir die Chance, dass das Orchester immer zu sehen ist, und dass wir trotzdem ganz nah an den Leuten dran sind", freut sich Wissmann.
Theaterzelt perfekter Rahmen für Musical
Auch Hauptdarsteller Christoph Filler kann diesem Raum viel abgewinnen. "Ein Musical ist natürlich moderner als eine klassische Oper. Von daher passt es in solche Locations sehr gut hinein. Das Publikum ist hier extrem involviert", meint Filler. So nah sei er noch nie am Publikum gewesen. Eine positive Überraschung, wie gut es funktioniert. Die Bedenken, die man mit dem Wort Ausweichspielstätte haben könnte, seien schnell zerstreut worden. Und auch bei winterlichen Temperaturen sei es im Zelt schön warm.
Es läuft viel Blut in dieser von Komponist Stephen Sondheim als tiefschwarze Operette bezeichneten Geschichte um den Barbier Sweeney Todd, die fragt: Kann Rache Gerechtigkeit erwirken? Jetzt erstmals am Mecklenburgischen Staatstheater.
Das Musical "Sweeney Todd. Der teuflische Barbier aus der Fleet Street" im Schweriner Theaterzelt steht am 22. Februar sowie am 1., 10. und 15. März wieder auf dem Programm.