Neues Schutzgebiet in Australien Großer Park für kleine Koalas
Koalas sind vom Aussterben bedroht. Ein riesiger neuer Nationalpark in ihrer Heimat Australien soll nun Tausenden der Tiere Lebensraum und Schutz bieten. Der WWF spricht von einer echten Chance.
Australiens bekannteste Baumbewohner bekommen ein riesiges neues Zuhause: Der "Great Koala Nationalpark" im Bundesstaat New South Wales soll künftig etwa 12.000 der Tiere eine Heimat bieten.
Die Regierung von Regionalpremierminister Chris Minns kündigte an, 176.000 Hektar Wald in der Region zu bereits bestehenden Schutzgebieten hinzuzufügen und damit einen der größten Nationalparks des Bundesstaates zu schaffen - auf einer Fläche von 476.000 Hektar. Zwischen Coffs Harbour und Kempsey an der Ostküste Australiens sollen die Tiere dann sicher und ungestört von Ast zu Ast klettern können.
Der Nationalpark dürfte auch zu einem Wirtschaftsfaktor werden. Die australische Regierung hofft auf Einnahmen durch den Tourismus.
Abholzung soll gestoppt werden
"Koalas sind in freier Wildbahn vom Aussterben bedroht - das ist unvorstellbar", sagte Minns. Der "Great Koala Nationalpark" solle das ändern. Der Umweltschutzverbund WWF schrieb, der Plan biete Koalas die Chance, bis 2050 von der Liste der vom Aussterben bedrohten Arten gestrichen zu werden.
Doch damit nicht genug: Gleichzeitig soll auch das Abholzen von Bäumen in dem Gebiet sofort gestoppt werden. Gewerkschaften kritisieren, dass der Park die von Experten empfohlene Größe überschreite. "Wir sind gegen die unnötige Zerstörung einer ganzen Industrie", sagte der Leiter der Australian Workers Union in New South Wales, Tony Callinan. Es gebe eine wissenschaftsbasierte Option, "die sowohl Umweltschutz als auch eine überlebensfähige Holzindustrie ermöglicht", sagte Callinan. Nach Regierungsangaben sollen die Holzarbeiter durch ein Unterstützungsprogramm abgesichert werden.
Park als Touristenmagnet
Der Park ist zudem ein wirtschaftlicher Hoffnungsträger: Mit der Aussicht auf geschätzte 163 Millionen Australische Dollar (92 Millionen Euro) zusätzliche Einnahmen durch Tourismus soll er zur neuen Attraktion an der Ostküste von Down Under werden. "Ein echtes Geschenk für unsere Enkelkinder - damit auch sie Koalas in freier Wildbahn erleben können", sagte Umweltministerin Penny Sharpe.
Auch für andere Tiere seien die alten Wälder der Region enorm wichtig, sagte Sharpe. "Diese erstaunlichen Urwälder gehören zu den weltweit wichtigsten Biodiversitäts-Hotspots." In ihnen leben mehr als 100 bedrohte Arten, darunter der Riesengleitbeutler, der Riesenkauz und der Gleithörnchenbeutler.
Nur noch 60.000 Koalas in Freiheit
Klar ist: Die Koalas können jede Hilfe gebrauchen. Früher gab es Millionen von ihnen in Australien - woanders kommen die Tiere in freier Wildbahn gar nicht vor -, heute sind es laut der Australian Koala Foundation noch etwa 60.000.
Allein zwischen 2000 und 2020 hat sich die Population laut WWF durch Abholzung, Dürren, Krankheiten, Verkehrsunfälle und Buschfeuer mehr als halbiert. Bei den verheerenden Buschfeuern im "Schwarzen Sommer" vor gut fünf Jahren wurden nach Schätzungen des WWF mehr als 60.000 Koalas getötet, verletzt, vertrieben oder traumatisiert. Bilder von Tieren mit angesengtem Fell und verbrannten Pfoten gingen damals um die Welt.
Die Regierung von New South Wales erklärte, ohne ein Eingreifen könnten Koalas in Australiens bevölkerungsreichstem Bundesstaat bis 2050 ausgestorben sein. Auch in Queensland gibt es große Sorgen um den Bestand.