Eine elektronische Patientenakte wird bearbeitet

Saarland Elektronische Patientenakte: Hausärzte im Saarland fürchten "Dokumentengrab"

Stand: 18.02.2026 • 15:47 Uhr

Seit etwa einem Jahr wird in Deutschland die elektronische Patientenakte (ePA) genutzt. Ärzte und Verbraucherschützer hatten im Vorfeld große Hoffnung in die Einführung gesetzt, üben inzwischen aber deutliche Kritik.

Von Sabrina Nonnengardt

Ein Jahr nach der Einführung der elektronischen Patientenakte (ePA) hat der Bundesverband der Verbraucherzentralen am Mittwoch eine ernüchternde Bilanz gezogen: Die E-Akten seien noch nicht im Alltag angekommen.

Die Verbraucherzentrale forderte die Politik auf, die Patientenakte zügig weiterzuentwickeln und einen verbindlichen Zeitplan vorzulegen, wie diese besser gestaltet werden kann. Auch die Hausärzte schlossen sich der Kritik an.

Die inzwischen bundesweit verpflichtende E-Akte sei in ihrer jetzigen Form nur eingeschränkt praxistauglich, erklärt Markus Beier, Bundesvorsitzender des Deutschen Hausärztinnen- und Hausärzteverbands.

Für die Praxen im Saarland bedeutet das im Alltag eine zusätzliche Arbeitsbelastung.

Keine Übersichtlichkeit und fehlende Nutzerfreundlichkeit

Wie die Vorsitzende des saarländischen Hausärzteverbandes, Laila El-Masri, erklärt, ist das System wenig übersichtlich. Dateien würden wahllos gespeichert und es fehle eine Suchfunktion. Dadurch sei es im Praxisalltag sehr schwierig und mit hohem Zeitaufwand verbunden, ein gesuchtes Dokument zu finden.

"Wenn wir keine Befunde aktiv suchen können, wird das System zu einem großen Dokumentengrab", erklärt El-Masri. Auch dass nur PDF-Dateien in das System eingepflegt werden können, kritisiert sie. Bilder oder Medikationspläne könnten dort nicht hinterlegt werden.

Enttäuschung und Frust in den Praxen im Saarland

Die fehlende Praxistauglichkeit löse in den Praxen Frust und Enttäuschung aus, sagt El-Masri. Es habe im Vorfeld hohe Erwartungen gegeben, dass das System den Austausch zwischen verschiedenen Fachärzten erleichtere. Stattdessen koste es die Beschäftigten in den Praxen viel Zeit, aus den teils umfangreichen Daten und Dokumenten jene heraus zu suchen, die aktuell und wichtig sind.

Das System wirke noch nicht ausgereift. "Wir haben das Gefühl, wir kriegen eine Testversion. Manchmal sind die Sachen einfach praxisfern und wir machen dann den Praxistest und müssen sehen, was nicht funktioniert", erläutert El-Masri. Dadurch würden die Praxen in ihrer Arbeit ausgebremst. Es koste sie Zeit, die eigentlich für die Patienten gebraucht werde.

Dass die Entwicklung noch immer auf diesem Stand ist, sei für sie kaum nachvollziehbar, erklärt El-Masri. Schließlich hätten andere Länder bereits eine elektronische Patientenakte eingeführt. Wenn es bereits praxistaugliche Anwendungen gibt, hätte man sich an diesen orientierten können.

Schnelle Nachbesserungen gefordert, Entwicklung zu langsam

Einige Nachbesserungen, wie die Einführung einer Suchfunktion, seien nun in Aussicht, allerdings brauche die Umsetzung viel Zeit. Die Suchfunktion sei erst für 2027 angekündigt, die Möglichkeit, Medikamentenpläne einzustellen sei zumindest noch für dieses Jahr vorgesehen. Allerdings hatte es bereits bei der Einführung der ePA Verzögerungen gegeben. Daher stehe in Frage, wie verlässlich der Zeitplan sei, ergänzt El-Masri.

Wichtig seien zudem nicht nur Nachbesserungen in der Nutzerfreundlichkeit für die Praxen, sondern auch Verbesserungen für die Patienten, betont El-Masri. Derzeit habe jede Krankenkasse ihr eigenes System und die Patienten würden offenbar nicht ausreichend über die Nutzung der Akte informiert. Viele suchten Rat und Hilfe in den Arztpraxen, die allerdings keine Kapazität hätten, die Nutzung der E-Akte zu erklären.

Derzeit nutzt die große Mehrheit (71 Prozent) der versicherten Menschen in Deutschland das elektronische Angebot nicht. Doch mit entsprechenden Änderungen könne die E-Akte gewinnbringend genutzt werden, so El-Masri. Für den Austausch zwischen Ärzten und schnelle Einblicke in die Krankengeschichte sei eine digitale Lösung grundsätzlich sinnvoll. Bisher klemme es nur bei der Umsetzung.

Über dieses Thema hat auch die "Region an Nachmittag" auf SR 3 Saarlandwelle am 18.02.2026 berichtet.

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Erstveröffentlichung: 18.02.2026 | 15:46 Uhr

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