Saarland Hund in Rheinland-Pfalz mit Tollwut infiziert – Gefahr für Tiere im Saarland?
Nach dem Tollwut-Nachweis bei einem Hund in Rheinland-Pfalz werden jetzt auch vier Hunde im Saarland überwacht. Das an Tollwut erkrankte Tier war gemeinsam mit anderen Hunden und Katzen in einem Transporter aus Russland nach Deutschland gekommen. Experten im Saarland halten das Risiko einer Infektion dennoch für gering.
In der Nähe von Ludwigshafen ist bei einem aus dem Ausland eingereisten Hund das klassische Tollwutvirus (RABV) nachgewiesen worden. Das teilte die Kreisverwaltung am Montag mit. Der mittlerweile verstorbene Hund war offenbar ohne gültigen Tollwut-Impfschutz aus Russland importiert worden – gemeinsam mit anderen Hunden und Katzen, die ebenfalls nach Deutschland, aber auch in andere Länder wie Frankreich vermittelt wurden.
Ende Januar sei der betroffene Hund operiert worden, so die Behörde. Wegen neurologischer Auffälligkeiten nach der Narkose, die sich auch nach der Entlassung aus der Tierklinik weiter fortgesetzt hätten, sei er zunächst in Quarantäne gekommen und kurze Zeit später gestorben. Bei anschließenden Tests sei dann der Tollwut-Erreger nachgewiesen worden.
Die Veterinärbehörde des Kreises habe bereits alle Besitzerinnen und Besitzer der anderen Tiere im Transporter kontaktiert. Am Mittwoch teilte das Saar-Umweltministerium dann mit, auch vier Hunde im Saarland zu überwachen – sie waren zwar nicht im selben Transporter, aber aus der gleichen Region und derselben Sammelstelle in Russland hierher gekommen. Gleichzeitig gab das Ministerium Entwarnung: Generell bestehe keine Gefahr für die saarländische Bevölkerung oder Haustiere.
Wahrscheinlichkeit einer Infektion mit Tollwut gering
Auch wenn immer ein Restrisiko durch illegal eingeführte Tiere bestehe, ist die Wahrscheinlichkeit einer Infektion mit Tollwut generell gering, wie der Landestierschutzbeauftragte und ehemalige Amtstierarzt Arnold Ludes dem SR auf Anfrage bestätigte. Tollwut wird meist über den Speichel infizierter Tiere übertragen, etwa durch Bisse. Betroffene Tiere seien in der Regel erst wenige Tage vor Ausbruch der Symptome ansteckend, so Ludes.
Auch die Präsidentin der Saar-Tierärztekammer, Susanne Hofstetter, hält das Risiko für gering – das zeigten die "Fallzahlen der letzten Jahre". Zudem hätten die Verantwortlichen im Rhein-Pfalz-Kreis im aktuellen Fall vorbildlich und schnell gehandelt, um eine Verbreitung zu verhindern. Zuletzt erregte 2021 ein positiver Tollwut-Nachweis bei einem illegal importieren Welpen in Bremen Aufmerksamkeit. Der letzte Tollwut-Fall bei einem Menschen trat im Jahr 2007 auf.
Bei einem Verdacht auf eine Tollwut-Infektion müssen Halterinnen und Halter trotzdem schnell aktiv werden: "Es sollte auf jeden Fall ein Tierarzt, eine Tierärztin oder gar eine Tierklinik aufgesucht werden", rät Hofstetter. Menschen, die in Kontakt mit dem Tier gekommen sind, sollten außerdem sofort zu einem Arzt. Verdachtsfälle müssen darüber hinaus direkt dem zuständigen Veterinäramt gemeldet werden, denn die Tollwut gehört zu den anzeigepflichtigen Tierseuchen.
"Die Symptome können sehr unterschiedlich ausfallen. Am bekanntesten sind die neurologischen Symptome, ebenso die Angst vor Wasser. Allerdings können zu Beginn auch nur mildere Symptome auftreten: Verhaltensänderungen, Lichtempfindlichkeit, Schluckbeschwerden, vermehrter Speichelfluss", so Hofstetter.
Tiere ohne Impfschutz werden bei Verdacht meist direkt getötet
Je nach Impfstatus kann das Veterinäramt entsprechend der Tollwutverordnung unter Umständen die sofortige Tötung eines Tieres, das mit einem tollwütigen oder verdächtigen Tier in Kontakt kam, anordnen. Nachweislich geimpfte Tiere sind im Verdachtsfall dagegen besser gestellt:
Sie dürfen unter behördlicher Beobachtung zu Hause gehalten werden und werden gegebenenfalls erneut gegen Tollwut geimpft, so die Ständige Impfkommission Veterinärmedizin (StikoVet).
Keine gesetzliche Tollwut-Impfpflicht für Haustiere in Deutschland
Nach den Leitlinien der StikoVet besteht in Deutschland keine generelle Impfpflicht gegen Tollwut bei Haustieren, da Deutschland seit 2008 als frei von klassischer Tollwut gilt. Hofstetter geht trotzdem von einer hohen Impfquote aus.
Ausnahmen bilden aus dem Ausland importierte Hunde, sie müssen bei der Einreise einen gültigen Impfschutz gegen Tollwut vorweisen können – auch wenn die meisten Länder in Europa den Status "tollwutfrei" erlangt haben. Laut Robert-Koch-Institut ist die Tollwut in osteuropäischen Ländern wie Weißrussland, der Republik Moldau, Ukraine und Russland bei Wild- und Haustieren aber nach wie vor ein Problem.
"Die Exposition unserer Haustiere und des Menschen kann daher nur noch durch infizierte Hunde und Katze erfolgen, die entgegen eindeutiger Einfuhrbestimmungen nach Deutschland verbracht werden", so die StikoVet.
Wie gefährlich ist die Tollwut?
Tollwut ist eine durch Tiere übertragene Erkrankung des zentralen Nervensystems, die durch verschiedene Lyssaviren ausgelöst wird, darunter Rabiesvirus (klassisches Tollwutvirus, RABV) und verschiedene Fledermaus-Tollwutviren. Tollwutviren werden über den Speichel ausgeschieden und in der Regel durch Bisse auf den Menschen übertragen. Auch eine Übertragung über Hautverletzungen oder die Schleimhaut ist bei direktem Kontakt mit infektiösem Speichel möglich.
Der beste Schutz vor einer Erkrankung ist die Impfung, sie kann bei Menschen, sofern rechtzeitig verabreicht, eine Erkrankung auch bei einem konkreten Verdacht mit hoher Wahrscheinlichkeit verhindern. Sobald aber typische Krankheitszeichen wie Lähmungen oder Krämpfe, Lichtscheu und Abneigung gegen Wasser aufgetreten sind, verläuft die Tollwut in der Regel tödlich. Eine heilende Therapie gibt es bisher nicht.
Quelle: Robert-Koch-Institut
Auch wenn es keine gesetzliche Impfpflicht gegen Tollwut gibt, rät der Landestierschutzbeauftrage Ludes dennoch dazu. Die Tollwut-Impfung gelte als sicher und gut verträglich. Das Wichtigste aber sei: Im Fall der Fälle schütze sie das Tier vor dem ansonsten so gut wie sicheren Tod.
Über dieses Thema haben auch die SR info-Nachrichten am 17.02.2026 berichtet.
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Erstveröffentlichung: 17.02.2026 | 15:44 Uhr