Saarland Investment ohne Abzocke – Verbraucherzentrale bietet neues Fake-Check-Tool
Geld anlegen in Fonds, Aktien, Kryptowährung oder Anleihen: Der Markt an Finanzprodukten ist groß und über das Internet für viele leicht zugänglich. Das Problem: Nicht alle Anbieter sind seriös.
Einen Internetauftritt zu schaffen, um potenziellen Anlegern das Geld aus der Tasche zu ziehen, ist für Kriminelle ganz einfach. Die Verbraucherzentrale hat jetzt einen Schnelltest geschaffen, mit dem man online eine erste Einschätzung bekommt, ob eine Geldanlage unseriös sein könnte.
Fake-Internetseiten treffen auch Saarländer
Anlageberater Karsten Matt aus St. Ingbert bekam vor etwa zwei Jahren einen Anruf von einem Verbraucherschützer. Der habe ihn darauf aufmerksam gemacht, dass mit seinem Internetauftritt etwas nicht stimme. „Ich habe mir das angeschaut und es war definitiv unsere Seite. Erst auf den zweiten Blick habe ich gemerkt, dass die Internetadresse leicht verändert war. Und Links auf der Seite führten ins Leere.“
Karsten Matt rief die auf der Seite angegebene Telefonnummer an, die eine St. Ingberter Vorwahl hatte. „Eine Dame meldete sich. Sie klang sehr professionell.“ Als er sich zu erkennen gab, sei das Gespräch schnell abgebrochen worden.
Anleger erleiden Schaden in Millionenhöhe
Nach und nach kam er in Kontakt mit Anlegern, die über die gefälschte Seite Geld überwiesen hatten. „Insgesamt ist ein Schaden von mehreren Millionen Euro entstanden, habe ich erfahren“, sagt Karsten Matt. Er meldete sich bei der Polizei, erstattete Anzeige und bat darum, die falsche Internetseite stillzulegen. „Das hat mich viel Zeit und Mühe gekostet. Ich musste immer wieder nachhaken, denn die Behörden haben sich Unterlagen auf dem Postweg zugeschickt. Die Kriminellen sind natürlich viel schneller.“
Damit meint er: Wenn ein Anleger Geld überweist, wie in diesem Fall auf ein Konto in Spanien, ist es für Ermittler fast unmöglich, es zurückzuverfolgen. Umso wichtiger sei es, eine Fake-Seite so schnell wie möglich abzuschalten, findet er.
Für die geprellten Anleger kann Karsten Matt nichts machen, für seinen Ruf als seriöser Anlageberater schon. Matt hat zwar einen Internetauftritt, über seine Seite kann man aber nicht direkt Geld anlegen. Alle Kunden kommen für einen Beratungstermin ins Büro, erklärt er. Der persönliche Kontakt von Angesicht zu Angesicht stehe im Fokus.
Betrüger bleiben anonym
Betrüger wählen eine größere Distanz zu ihren Opfern. Sie nehmen Kontakt via Telefon, Mail oder Textnachrichten auf, häufig mit falschen Namen. Und versuchten dann, mit einem überschaubaren Einstiegsbetrag zu ködern, sagt Sascha Straub von der Verbraucherzentrale Bayern. „250 Euro ist so ein Betrag, den die Leute eher mal aufbringen, um eine Anlage mal auszuprobieren.“ Dabei bleibe es aber nicht. „Denn diese 250 Euro vermehren sich in kürzester Zeit, verdoppeln sich, verdreifachen, vervierfachen, verfünffachen sich innerhalb von zwei Wochen. Und das ist dann immer der Ansatzpunkt für weitere Gesprächs- und Kontaktaufnahmen.“
Vermeintliche Anleger sehen, wie erfolgreich das Produkt ist und werden dazu gebracht, noch mehr Geld zu überweisen. Dabei sind die Gewinne nur fiktiv.
Sascha Straub spricht von einer Schaufensteransicht, man könne sie nur betrachten. Wer sie sich auszahlen lassen möchte, werde abgewimmelt, der Kontakt abgebrochen.
In der Regel tauchen die Betrüger ab, weil sie ihr System übers Ausland abwickeln. Manchmal gelingt es Ermittlern, solche Banden zur Rechenschaft zu ziehen. So hatte es im Saarland 2025 einen Prozess gegen die Drahtzieher von Cybertrading mit gezinkten Onlineportalen gegeben. Betroffen waren mehr als 130 Anleger, der Schaden lag bei rund 8,8 Millionen Euro. Das Landgericht Saarbrücken verurteilte einen Anführer zu achteinhalb Jahren Haft.
Schnelles Geld lockt Anleger
Wie schaffen es die Kriminellen überhaupt, Menschen dazu zu bringen, an Unbekannte Geld zu überweisen? Indem sie mit seriösen Botschaftern werben, mit Prominenten zum Beispiel. Diese wüssten aber gar nichts von ihrem Werbeeinsatz, Fotos und Videos sind Fake. Auch das Versprechen, recht schnell eine hohe Rendite zu erzielen, lockt Anleger. „Außerdem scheint es unkompliziert. Statt mit Aktenordnern zum Banktermin zu müssen, kann man bequem von zuhause aus Geld anlegen“, erklärt Sascha Straub.
Auch wenn das oft genug schief gehen kann. Die Verbraucherzentralen verzeichnen einen erheblichen Anstieg, was Beschwerden über unseriöse Handelsplattformen und Geldanlageangebote im Internet angeht. Zugleich seien Betrugsversuche bei Investmentangeboten so angestiegen, dass die Verbraucherschützer mit der Beratung kaum noch hinterherkämen.
Schneller Check der Verbraucherzentrale
Also hat die Verbraucherzentrale Bayern nun einen sogenannten Fake Check Geldanlage im Angebot. Das kostenlose Tool biete eine erste Einschätzung, ob ein konkretes Investmentangebot möglicherweise unseriös ist: www.verbraucherzentrale.de
Dazu beantwortet man eine Handvoll Fragen zur Geldanlage, zum Beispiel um was für ein Investment es sich handelt, wie die Art der Kontaktaufnahme stattgefunden hat und ob sensible Daten abgefragt wurden.
Gibt es nach dem Check Hinweise darauf, dass das Angebot unseriös ist, sollte man laut Verbraucherzentrale lieber die Finger davonlassen. Wer schon Geld gezahlt hat, der sollte einen Beratungstermin bei der Verbraucherzentrale vereinbaren oder je nach Höhe des Investments rechtlichen Beistand suchen.
Anlageberater Karsten Matt hat weitere Tipps, damit Anleger gar nicht erst in so eine Situation kommen. „Sich nicht von Gier leiten lassen. Denn wenn das Angebot zu schön ist, um wahr zu sein, dann ist es nicht wahr.“ Und auch das rät er: sich in Sachen Finanzen weiterzubilden. Denn wenn man sich mit der Finanzwelt auskenne, kann man unseriöse Angebote direkt erkennen.
Ein Thema aus der Sendung "SR 3 am Vormittag" am 18.02.2026.
Erstveröffentlichung: 18.02.2026 | 10:12 Uhr