Bildmontage: Logos der SPD und der NVG (Neunkircher Verkehrsbetriebe) übereinandergeblendet

Saarland NVG-Skandal: Ausmaß offenbar noch größer als gedacht

Stand: 20.02.2026 • 06:56 Uhr

Nach der Sondersitzung des Aufsichtsrates der NVG ist das Ausmaß des Skandals offenbar noch nicht abzusehen. Einzelne Aufsichtsratsmitglieder haben dem SR berichtet, dass die Vorwürfe offenbar noch weitergehen als bisher bekannt.

Von Aaron Klein / Onlinefassung: Axel Wagner

Auf zwei Stunden war die Sondersitzung des Aufsichtsrates zum Skandal um die Neunkircher Verkehrsgesellschaft NVG eigentlich angesetzt, am Ende waren es über fünf. Landrat und Aufsichtsratschef Sören Meng (SPD) sagte dem SR im Anschluss, auch für ihn seien viele Hintergründe und die Schwere der Vorwürfe neu gewesen.

Ähnliches berichteten auch andere Ratsmitglieder, die nicht genannt werden wollen.

NVG-Gutachten soll teilweise geschwärzt veröffentlicht werden

Während der Sitzung wurde aus einem vorläufigen Gutachten berichtet, das die Vorwürfe aufarbeiten soll. Dieses Gutachten soll jetzt überarbeitet, in Teilen geschwärzt und voraussichtlich in den nächsten Tagen dem Aufsichtsrat vorgelegt werden. Dann soll eine weitere Sitzung folgen. Vorher will man noch keine weiteren Details daraus bekannt geben. Außerdem soll das Gutachten wegen strafrechtlich relevanter Vergehen auch an die Staatsanwaltschaft übermittelt werden.

Unterdessen berichten NVG-Beschäftigte von einem "Klima der Angst", das vor allem auf den Ex-Betriebsratschef Heiko Schaufert zurückzuführen sei. So seien Mitarbeiter unter anderem von Schaufert und seiner Gefolgschaft bedroht worden.

Außerdem seien Mitarbeiter zum Eintritt in die SPD gedrängt worden. Ansonsten hätten sie Nachteile im Job zu befürchten gehabt. Schaufert ist in Neunkirchen auch SPD-Ortsvereinsvorsitzender.

Auch nach der Sitzung noch Gesprächsbedarf

Nach der über fünfstündigen Sondersitzung gab es außerdem offenbar noch Gesprächsbedarf zwischen den beiden Interims-Geschäftsführern und dem Neunkircher Oberbürgermeister Jörg Aumann (SPD). Nach Sitzungsende saßen diese drei noch länger im Sitzungssaal zusammen.

Die Oppositionsparteien im Saarland fordern Aufklärung von der SPD. Laut Saarbrücker Zeitung stehen unter anderem die jahrelange Veruntreuung von Geldern, Nötigung, schwarze Kassen, illegale Parteispenden und Wahlmanipulationen im Raum: über 13 Jahre um die 2,85 Millionen Euro.

Interims-Geschäftsführer überrascht vom Ausmaß der Verfehlungen

Kurz vor der Sitzung hatte sich Interims-Geschäftsführer Markus Groß überrascht über das Ausmaß der Verfehlungen gezeigt, die im Gutachten formuliert werden. Im Gespräch mit dem SR beschuldigte er den ehemaligen Geschäftsführer Pascal Koch.

Der habe in seiner über 25-jährigen Amtszeit viele Dinge intern geregelt und den Aufsichtsrat nicht genug informiert, während die NVG nach außen „gut funktioniert“ habe. Aber auch zur Rolle des Aufsichtsrats treffe das Gutachten Aussagen, so Groß.

Link zu Landesrundfunkanstalt

NVG-Skandal: Teile eines Gutachtens bei Sondersitzung vorgestellt

NVG-Skandal: Aufklärung von der SPD gefordert

Die CDU fordert völlige Aufklärung von der SPD. Außerdem solle sich die SPD-Landeschefin Anke Rehlinger an die Spitze dieser Aufklärung stellen. Alle Vorwürfe stünden in Verbindung mit SPD-Mitgliedern, so CDU-Generalsekretär Frank Wagner. Er fordert auch, dass das komplette Gutachten den zuständigen Stellen öffentlich gemacht wird.

Die gleichen Forderungen kommen auch von der Grünen-Landeschefin Jeanne Dillschneider und vom Linken-Landesvorsitzenden Florian Spaniol.

SPD-Spitze will sich nicht vor der Kamera äußern

"Es sind einige Missstände aufgedeckt worden", bestätigte Meng im SR-Interview. Die Nachfrage, warum die Verfehlungen über 13 Jahre nicht aufgefallen sind, beantwortete Meng nicht: Das komplette Gutachten sei nicht öffentlich, weshalb er zu konkreten Vorwürfen nichts sagen möchte.

Vor Meng war Oberbürgermeister Jörg Aumann an der Spitze des NVG-Aufsichtsrats. Im Zuge der Enthüllungen musste der bereits seinen Hut nehmen. Ein weiterer zentraler Akteur und Ortsvereinsvorsitzender ist der mittlerweile entlassene NVG-Betriebsratsvorsitzende Heiko Schaufert (SPD).

Parteikreise: NVG-Skandal, kein SPD-Skandal

Die SPD-Landesspitze will sich nicht öffentlich äußern. Es sei ein Neunkircher Skandal, kein SPD-Skandal, heißt es aus Parteikreisen. Zugleich will Meng das Gutachten der Staatsanwaltschaft zur Verfügung stellen und in naher Zukunft eine neue Geschäftsführung ausschreiben.

Über dieses Thema haben auch die SR info-Nachrichten im Radio am 19.02.2026 berichtet.

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Erstveröffentlichung: 19.02.2026 | 07:00 Uhr

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