Ein Kormoran breitet die Flügel über dem Wasser aus und schüttelt Tropfen ab

Saarland "Problemvogel" Kormoran? Welche Rolle spielt er im Saarland?

Stand: 15.02.2026 • 10:50 Uhr

Die Zahl der Kormorane im Saarland ist in den vergangenen 20 Jahren zurückgegangen. Die Fischpopulation hat sich in der selben Zeit auf einem niedrigen Level eingepegelt. Während der Nabu vielfältige Faktoren ins Spiel bringt, sieht der Fischereiverband den Kormoran als Hauptverursacher.

Von Rebecca Wehrmann

Der Kormoran ist ein geschickter Fischfänger und deshalb nicht unumstritten. Zudem verätzt sein Kot nach Angaben des Naturschutzbundes (Nabu) die Blätter der Bäume, auf denen die Vögel brüten, weswegen diese dann kahl werden und später absterben.

Da die Vogelart in Deutschland keine natürlichen Fressfeinde hat, kann sie sich hier mehr oder weniger ungehindert vermehren. In Bundesländern, in denen es Berufsfischerei gibt, sind die Vögel teilweise zum Abschuss freigegeben.

Kormoran kann blind Fische fangen

„Der Kormoran ist extrem erfolgreich und frisst nur Fische. Dabei kann er sogar unter Wasser Fische fangen, obwohl er sie gar nicht sieht. Er ertastet die Fische mit einem Organ im Kopf, mit dem er die Schwingungen unter Wasser feststellen kann“, erklärt Christoph Braunberger vom Nabu Saar.

Deshalb habe der Kormoran schon immer in Konkurrenz gelebt mit Menschen, die von der Fischerei leben. „Aber im Saarland lebt niemand davon, das ist alles Hobby, was da betrieben wird.“

Kormoranzahlen sinken – Fischbestand erholt sich nicht

Für den Fischrückgang im Saarland sei die Kormoran-Population nicht verantwortlich, sagt der Nabu Saarland. Denn die Zahl der Fische habe sich auf einem niedrigen, aber stabilen Level eingepegelt – obwohl die Zahl der Kormorane seit 2004 stark zurückgegangen ist.

Wenn der Kormoran für den Fischrückgang verantwortlich sei, müsse man bei den sinkenden Zahlen der Vögel von einer Erholung des Fischbestandes ausgehen, so der Nabu.

„Wir vermuten weitere, also nicht monokausal mit dem Kormoran zusammenhängende Faktoren. Wie etwa den Klimawandel, wärmere Bäche bei der Laichzeit, nicht abwassergeklärte Hormone, die über die Klärwerke in die Gewässer gehen, oder auch weniger Wasser im trockenen Frühjahr“, so Braunberger.

Der Kormoran – allgemeine Infos

Kormorane sind überwiegend schwarze Vögel mit einer Flügelspannweite von 1,20 bis 1,50 Metern. Sie haben einen langen Hals und einen Schnabel mit einem charakteristischen Haken vorne. Die Vogelart frisst ausschließlich Fisch – und zwar etwa 300-500 Gramm durchschnittlich pro Tag. Kormorane wurden schon seit langer Zeit bejagt. Nachdem es in den 80ern der Bestand der Art gefährdet war, wurde er in Europa unter Schutz gestellt. Die Population hat sich seither wieder vollkommen erholt. Kormorane gelten nicht mehr als gefährdet. Nach Angaben der Bundesregierung leben in Deutschlands zwischen 23.000 und 28.000 Brutpaaren.

Verschiedene Fischarten stark betroffen

Anders sieht das der Fischereiverband Saar: „Eigentlich ist die Datenlage gut und wir haben Fischbestandsdaten vor der Einfallzeit des Kormorans. Diese Daten zeigen einen sehr, sehr viel höheren Fischbestand“, sagt Sebastian Hoffmann, Biologe des Verbands. Als ausschließliche Ursache sieht aber auch Hoffmann den Kormoran nicht:

„Selbstverständlich ist das mit Sicherheit nicht unser einziges Problem, was wir haben, wenn wir aquatische Ökosysteme betrachten.“ Gleichwohl: „Wir haben erstens einen Verlust bei sehr speziellen Arten, die besonders betroffen sind von Kormoran-Fraßdruck. Die Äsche ist dafür das Paradebeispiel, die Nase genauso. Das kennt man aus ganz Deutschland, aus ganz Europa, dass diese Arten besonders leiden. Und das sind eben die Arten, die auch bei uns verschwunden sind“, ergänzt Hoffmann.

Speziell bei der Nase könne man eine wärmere Gewässertemperatur durch Klimawandel als Ursache auch ausschließen, so der Biologe.

Kormoran erst seit Ende der 90er im Saarland zuhause

Das Umweltministerium Saar sieht es ähnlich wie der Nabu Saar: „Die Bestandrückgänge von Flussfischarten haben multikausale Ursachen. Umweltfaktoren wie Klimawandel, Zerschneidung von Gewässern und stoffliche Depositionen nehmen, wie auch der Fraßdruck durch zum Beispiel den Kormoran, Einfluss auf die Bestände.“

Den Kormoran gibt es im Saarland übrigens nicht schon immer. Nach Angaben des Umweltministeriums ist er erst seit Ende der 90er im Saarland in größerer Zahl anzutreffen. Der Höchststand der Population wurde demnach 2005 gezählt, damals lag der Winterbestand bei 1479 Tieren.

Eine Population in der Größe hat es seitdem nicht mehr gegeben, allerdings wurden die Zahlen auch nicht stetig erfasst. In diesem Jahr wurden nur noch 822 Tiere an 18 Schlafplätzen gesichtet.

Fischereiverband wünscht sich Mittel, um einzugreifen

Auch wenn die Zahl der Vögel zurückgegangen ist, wünscht sich der Fischereiverband Mittel, um etwas gegen den Kormoran zu tun. Denn das Bestandsniveau bei den Fischen sei alarmierend gering: „Gut wäre es, dass man in irgendeiner Form eingreifen kann um die mit viel Geld und auch Zeitmitteln herangehegten Fischbestände zu schützen.“

Insbesondere in den Größenklassen zwischen 15 und 45 cm seien die Fischbestände stark defizitär, was der Hauptbeutefischgröße des Kormorans entspricht.

Kormoran besonders geschützte Vogelart

So einfach ist das allerdings nicht, denn der Kormoran ist als europäische Vogelart besonders geschützt. Damit greifen gesetzliche Verbote zum Fang, zur Verletzung oder Tötung. Ausnahmen gibt es nach Angaben des Umweltministeriums nur dann, „wenn dies zum Beispiel zur Abwendung ernster fischereiwirtschaftlicher Schäden oder zum Schutz der heimischen Tierwelt erforderlich ist.“

Bundesregierung regt bundesweites Kormoran-Management an

Neben dem Saarland gibt es aber in diversen anderen Bundesländern, die Fischereiwirtschaft betreiben, Probleme durch den Kormoran. Deshalb spielt die Thematik auch bundesweit eine Rolle. Wie die Regierung in einer Pressemitteilung bekannt gab, hält sie ein Kormoran-Management, abgestimmt unter den Bundesländern, für sinnvoll.

Nicht bundesweit, aber länderübergreifend gibt es seit Anfang des Jahres bereits einen Management-Plan. Dafür haben sich Baden-Württemberg, Bayern, Vorarlberg, der Schweiz und Liechtenstein zusammengeschlossen. Eine erste Maßnahme ist das Besprühen der Kormoran-Eier mithilfe einer Drohne mit Öl, so wird verhindert, dass sich Jungvögel entwickeln. Gleichzeitig stehen Schutzmaßnahmen für stark betroffene Fischarten im Fokus.

Einen anderen Weg geht Bayern, dort sind Kormorane seit einigen Jahren zu einer bestimmten Zeit im Jahr zum Abschuss freigegeben.

Über dieses Thema haben auch die SR info Nachrichten vom 13.02.2026 berichtet.

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Erstveröffentlichung: 15.02.2026 | 10:50 Uhr

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