Ein krankes Kind liegt mit Wärmflasche im Bett

Saarland Werden Kita-Kinder zu oft zum Arzt geschickt?

Stand: 18.02.2026 • 12:36 Uhr

Kinder werden oft unnötig von Kitas in Arztpraxen geschickt, sagt ein Kinderarzt aus Saarlouis. Das führt nach seiner Schätzung zu vielen Tausend unnötigen Arztbesuchen. Der Kita-Fachkräfteverband widerspricht.

Von Steffani Balle / Onlinefassung: Rebecca Wehrmann

Mückenstiche, die als Infekt fehlinterpretiert werden, gefühltes Fieber ohne Messen, ein müdes Kind oder ein einmaliger dünner Stuhlgang ohne weitere Symptome. Das seien eigentlich harmlose Vorfälle, nach denen Eltern sofort ihr Kind aus einer saarländischen Betreuungseinrichtung abholen müssten, sagt Kinderarzt Schahin Aliani aus Saarlouis dem SR.

Mindestens drei Fälle dieser Art sehe er in seiner Praxis jeden Tag. Wenn er das auf die 70 Kinderarztpraxen im Saarland hochrechnet, steht eine beeindruckende Zahl von bis zu 50.000 unnötigen Kinderarztbesuchen unter dem Strich – nur eine Schätzung natürlich.

Ein Kind kann die ganze Kita-Gruppe anstecken

Aliani hält die Rechnung sogar für konservativ, sie sei im Zweifel noch zu gering angesetzt. Die Leidtragenden seien meist Mütter, die ihre Kinder abholen und beim Arzt vorstellen müssen.

Ganz anders sieht das die Vorsitzende des Kita-Fachkräfteverbands im Saarland, Susanne Kunz. Sie sagt, es würden umgekehrt sogar häufig richtig kranke Kinder in der Kita abgegeben, eben weil die Eltern arbeiten gehen müssten.

Kunz gibt zudem zu bedenken: Wenn ein Kind über den Tisch niese, könne danach die ganze Gruppe krank werden, inklusive Erzieher oder Erzieherin.

Strenge Regeln für Kitas bei Krankheiten

Was Mückenstiche, Floh- oder Läusebisse angeht, würden diese vom Kita-Personal sicher erkannt. Dafür müssten alle zwei Jahre verpflichtende Weiterbildungen absolviert werden.

Wenn ein Kind Ausschlag habe, müsse man aber schon abklären, ob es Masern, Ringelröteln oder eine allergische Reaktion sei, zum Schutz des kranken Kindes und aller anderen Kinder in der Gemeinschaftseinrichtung.

Die Regeln in Kitas für kranke Kindern sind strikt. Das bestätigt die Sprecherin des Saarländischen Hausärzteverbands, Laila El-Masri.

Viele Eltern müssten mit genesenen Kindern erst einmal zum Arzt, um ein entsprechendes Attest zu bekommen. Denn Kitas verlangten solche "Gesundschreibungen" auch bei Krankheiten, bei denen sie gesetzlich gar nicht vorgeschrieben seien.

Teilweise nicht notwendige Atteste von Kitas gefordert

Dass das für Eltern und Ärzte ein Problem sein kann, darauf haben auch das saarländische Bildungs- und Gesundheitsministerium in einem Rundschreiben aufmerksam gemacht, das im Oktober vergangenen Jahres an die Kindertageseinrichtungen versendet wurde.

Darin weisen die Ministerien darauf hin, dass die Kapazitäten bei den Kinderärzten begrenzt seien und deswegen auf Atteste verzichtet werden solle, die nicht gesetzlich vorgeschrieben oder medizinisch notwendig sind. Das betreffe unter anderem Atemwegsinfektionen, Bindehautentzündungen oder auch die Hand-Fuß-Mund-Krankheit. Die geforderten Atteste seien zudem eine finanzielle und organisatorische Belastung für Eltern.

Maßgeblich für die Notwendigkeit eines Attests – oder auch einer Meldepflicht – ist die Übersicht des Robert-Koch-Instituts, auf das sich die Ministerien in dem Schreiben beziehen.

Über dieses Thema hat auch die "Region am Mittag" auf SR 3 Saarlandwelle am 18.02.206 berichtet.

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Erstveröffentlichung: 18.02.2026 | 11:42 Uhr

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