Saarland Wie viel Gewalt gibt es im saarländischen ÖPNV?
Der tödliche Angriff auf einen Zugbegleiter hat deutschlandweit Diskussionen über die Sicherheit in öffentlichen Verkehrsmitteln ausgelöst. Laut Polizei sind Straftaten in saarländischen Bahnen und Bussen eher selten. Die Verkehrsbetriebe bestätigen aber: Die Aggressions- und Gewaltbereitschaft unter den Fahrgästen ist deutlich gestiegen.
Ein Blick auf die Zahlen zeigt: Verglichen mit der Zahl aller Straftaten im Saarland fallen gewalttätige Angriffe in Bahn und Bus kaum ins Gewicht.
Insgesamt vier Fälle von Widerstand sowie zwei tätliche Angriffe gegen Beschäftigte im ÖPNV hat die Polizei 2024 registriert. Die Polizeiliche Kriminalstatistik weist insgesamt 65.600 Straftaten im Saarland aus. Zahlen von 2025 liegen noch nicht vor.
"Meist sind die Übergriffe verbaler Natur"
Und dennoch: Die Fahrgäste werden offenbar immer aggressiver und gewaltbereiter – wenn auch meist nur verbal. Das erklärt die Gewerkschaft Verdi und sieht ein erhöhtes Gewaltpotenzial gegenüber den Beschäftigten im ÖPNV. „Meist sind die Übergriffe verbaler Natur. Doch es gibt auch Tätlichkeiten“, sagte Verdi-Gewerkschaftssekretär Janosch Fegert.
Das sei nicht nur bei Fahrgästen, sondern auch bei anderen Straßenverkehrsteilnehmern zu beobachten. Fegert berichtet von Fällen, in denen Autofahrer wutentbrannt ihr Fahrzeug verlassen, die Busfahrer beschimpfen und gegen die Fahrzeuge hämmern.
Auch Schüler im ÖPNV sind deutlich aggressiver
Auch eine Umfrage unter den Verkehrsbetrieben im Saarland zeigt: „Fahrgäste werden immer aggressiver – bis hin zu tätlichen Angriffen, wie wir sie in der Vergangenheit bereits erlebt haben. Beängstigend ist es, zu beobachten, dass wir solche Vorkommnisse bereits im Schülerverkehr haben. Selbst bei den Grundschülern ist ein so aggressives Verhalten zu beobachten, dass wir hier schon Schüler von der Beförderung ausschließen mussten“, teilte die Saarmobil GmbH mit.
Das bestätigen auch die Merziger Verkehrsbetriebe (VMW). Insbesondere im Schülerverkehr erlebe man „eine sehr negative Entwicklung von äußerst respektlosem Verhalten“. Das beginne bereits im Grundschulverkehr. „Hier sind Aussagen wie "ich f* deine Mutter" und "ich f* dein Leben" anscheinend schon Alltag geworden“, sagte VMW-Geschäftsführer Dirk Joris.
Auseinandersetzungen gibt es vor allem bei Ticketkontrollen
Ein ähnliches Bild zeichnet auch die Neunkircher Verkehrsgesellschaft: Das Verhalten einzelner Fahrgäste sei stärker von „Unzufriedenheit und feindseligem, teils aggressivem Verhalten“ geprägt, als das früher der Fall gewesen sei. Tätlichkeiten seien aber eher selten, teilte die NVG mit.
Die Kreisverkehrsbetriebe Saarlouis (KVS) betonen, dass es insbesondere im Zuge von Ticketkontrollen verstärkt zu aggressivem Verhalten komme, wenn Fahrgäste mit gefälschten Deutschlandtickets oder E-Tickets unterwegs seien. „Meistens handelt es sich um verbale Entgleisungen, selten kommt es einmal zu einer körperlichen Auseinandersetzung“, so ein Sprecher.
Eine Sprecherin der Saarbahn GmbH erklärte auf Anfrage, dass die Zahl der Übergriffe auf Ticketkontrolleure zwar nicht gestiegen sei. Die Hemmschwellen seien aber gesunken und dadurch komme es häufiger zu respektlosem Verhalten. Das sei aber eine gesamtgesellschaftliche und von situativ hoher Aggression und auch körperlicher Gewalt gekennzeichnete Entwicklung.
Verkehrsbetriebe setzen auf Deeskalationstraining
Um Ticketkontrolleure in den Bussen und Saarbahnen besser auf Konfliktsituationen vorzubereiten, schulen einige Verkehrsbetriebe die Beschäftigten. Bei der Saarbahn durchlaufen die Ticketkontrolleure etwa ein spezielles Deeskalationstraining.
Auch die Merziger Verkehrsbetriebe setzen auf ein Maßnahmenpaket, das von Schulungen bis zu technischen Lösungen wie Videoüberwachung reicht. Bei der Neunkircher NVG werden die Fahrerinnen und Fahrer bei serienmäßigen Terminen auf beschwichtigendes Verhalten geschult. Ein unterstützendes Deeskalationstraining für die Zukunft sei in der Planung.
Über dieses Thema haben auch die SR info-Nachrichten im Radio am 18.02.2026 berichtet.
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Erstveröffentlichung: 18.02.2026 | 08:02 Uhr