Bagger stehen hinter einem großen Schild

Nahe Addis Abeba Warum Äthiopien einen Mega-Flughafen baut

Stand: 02.02.2026 • 15:38 Uhr

Er soll der größte Flughafen Afrikas werden - und einer der größten der Welt: der Bishoftu International Airport in Äthiopien für mehr als 100 Millionen Passagiere. Nun haben die Bauarbeiten begonnen.

Baumaschinen ebnen den Boden, Staubwolken wehen durch die Luft. Lastwagen transportieren Steine und Schotter. Die Baustelle ist riesig: knapp 4.000 Hektar, etwa so groß wie 6.000 Fußballfelder.

Hier soll ein neuer Mega-Flughafen entstehen - für bis zu 110 Millionen Passagiere pro Jahr. Das sind fast doppelt so viele wie am Frankfurter Airport. In Bishoftu, rund 40 Kilometer von Äthiopiens Hauptstadt Addis Abeba entfernt, werden bis zu vier Start- und Landebahnen gebaut. 270 Flugzeuge sollen hier Platz finden. Der neue Airport soll auch das neue Drehkreuz für Luftfracht in Afrika werden.

Blick auf eine Baustelle

Die Bagger rollen an: 2030 soll der Mega-Flughafen bei Addis Abeba fertig sein.

Zwischen den Terminals Gärten zum Spazierengehen

Auf der Baustelle arbeitet auch die junge Ingenieurin Finot Mezgebu Wubete. Der Airport habe ein nachhaltiges Energiekonzept, erklärt sie. "Der Flughafen wird aus vier Gebäudeflügeln bestehen, die in unterschiedlichen Richtungen zueinander stehen. Die Fassaden sind offen gestaltet, dadurch schaffen wir eine natürliche Belüftung. Wir werden mit Lamellen arbeiten, die Schatten spenden, damit wir weniger Energie zum Kühlen brauchen und stattdessen die Natur nutzen."

Zwischen den einzelnen Terminals, die von oben x-förmig aussehen, sollen große Gärten angelegt werden, mit Bäumen und Pflanzen, die in unterschiedlichen Teilen Äthiopiens wachsen. Zum einen für ein besseres Mikroklima; zum anderen sollen Fluggäste sich dort beim Spaziergang entspannen können. Geplant sind Hotels, Restaurants und Geschäfte, Fitnessstudios, Wellnessbereiche und Lounges.

Wichtiger Wirtschaftsfaktor

Umgerechnet knapp elf Milliarden Euro soll das Mega-Bauprojekt kosten. Die staatliche Fluggesellschaft Ethiopian Airlines trägt 30 Prozent der Kosten. Investoren aus dem Nahen Osten und den USA, aus China und Europa seien interessiert, auch deutsche Unternehmen hätten bereits Interesse gezeigt, heißt es von Ethiopian Airlines. Derzeit liefen die Ausschreibungsverfahren. Im August soll klar sein, welche Investoren und Firmen an Bord sind. 2030 soll der Flughafen fertiggestellt sein.

Für Äthiopien ist der neue Mega-Airport ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Aber er sei auch eine Notwendigkeit, um den rasant steigenden Passagierzahlen nachzukommen, sagt Mesfin Tasew, Geschäftsführer von Ethiopian Airlines. "Wir haben eine sehr schnelle Wachstumsstrategie. Mit dem derzeitigen Flughafen können wir dieser Strategie nicht einhalten. Deshalb haben wir uns entschieden, einen neuen Mega-Flughafen zu bauen."

Blick auf Acker- und Weideland

Dort, wo der Bishoftu International Airport entsteht, war früher hauptsächlich Weideland. Die Landwirte wurden umgesiedelt.

Ein Prestigeprojekt - und nicht das einzige

Der Bishoftu International Airport ist auch ein Prestigeprojekt für Äthiopien. Und es ist nicht das erste: Im September vergangenen Jahres wurde der neue Nil-Staudamm eröffnet. Er gilt als das größte Wasserkraftwerk Afrikas und spielt eine wichtige Rolle für die Energieversorgung. Äthiopien will damit zeigen, dass das Land Mega-Bauprojekte umsetzen kann.

"Wir sehen in diesem neuen Flughafen Bishoftu International sehr große Exportchancen, sowohl für die deutschen als auch für die europäischen Industriebetriebe", sagt Karin Mulder, Vizepräsidentin der KfW IPEX-Bank. Die Tochter der deutschen staatlichen Förderbank hat das Mandat, deutsche und europäische Unternehmen im Ausland zu unterstützen.

Erfahrungen in Äthiopien gibt es bereits: Zusammen mit der französischen Entwicklungsbank hat die KfW IPEX Bank rund 120 Millionen Euro in den Aufbau des Luftfrachtterminals am Bole International Airport in Addis Abeba investiert. Durchgeführt unter anderem von einem mittelständischen Unternehmen aus Nordrhein-Westfalen, das für die Innenausstattung des Cargo Terminal gesorgt hat, mit Hochregalen und Kühltechnik.

Blick auf eine Straße mit neuen Reihenhäusern

Unterkünfte, aber kein Land mehr: Die staatliche Fluggesellschaft Ethiopian Airlines hat die umgesiedelten Bauern nur teilweise entschädigt.

Viele Landwirte umgesiedelt

Doch der Bau des neuen Mega-Flughafens hat auch Schattenseiten: Tausende Menschen, die auf dem riesigen Gelände gelebt haben, mussten ihr Zuhause verlassen. Die meisten von ihnen sind Landwirte, die Gemüse anbauen oder Vieh halten. Viele von ihnen haben von der Fluggesellschaft zwar neue Häuser erhalten, doch ihr Land haben sie verloren. Und Land spielt in Afrika eine große Rolle, denn es bedeutet Identität und wird von einer Generation an die nächste vererbt.

Auf der Baustelle heben Bagger Boden aus für das Fundament der Startbahnen. Derzeit arbeiten hier zwei chinesische Konstruktionsfirmen. Wo jetzt noch Erde und Staub ist, wird in einigen Jahren ein riesiger Flughafen stehen. Das soll ein nächster Entwicklungsschritt sein für Äthiopien - und den afrikanischen Kontinent.

Karin Bensch, ARD Nairobi, tagesschau, 02.02.2026 • 12:00 Uhr

Dieses Thema im Programm: tagesschau24 | Nachrichten | 02. Februar 2026 | 12:00 Uhr

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