Gesundheit Mit Impfung gegen Blasenentzündung
Immer wiederkehrende Blasenentzündungen sind lästig und schmerzhaft - Antibiotika helfen oft nicht dauerhaft. Doch es gibt Impfungen und Erfolg versprechende Forschungsansätze.
Eine Blasenentzündung ist schmerzhaft, lästig, und ziemlich verbreitet, gerade in den kalten Jahreszeiten. Und obwohl Millionen Menschen immer wieder unter den Symptomen leiden, hat sich die Behandlung lange kaum geändert. Gerade Frauen sind aufgrund ihrer anatomisch kurzen Harnröhre häufig betroffen. Doch was viele nicht wissen: Es gibt Alternativen zum klassischen Antibiotikum. Eine Möglichkeit ist zum Beispiel die Impfung.
Grundsätzlich unterscheidet man zwischen einer einfachen Entzündung des unteren Harntraktes, also der klassischen Blasenentzündung, und einer Nierenbeckenentzündung, bei der Bakterien die Harnröhre schon weiter nach oben gewandert sind. Bei einer Nierenbeckenentzündung muss möglichst schnell ein geeignetes Antibiotikum eingesetzt werden.
Die Symptome sind häufig Fieber und Schüttelfrost. Bei einer Blasenentzündung allerdings, die viel häufiger ist, gibt es inzwischen sinnvolle Alternativen. Blasenentzündungen kommen bei rund sechs Prozent der Bevölkerung vor.
Zwei zugelassene Impfstoffe in Deutschland
Bevor Mediziner und Urologe Winfried Vahlensick Medikamente verschreibt, empfiehlt er eine Schulung, erklärt er im Interview mit ARD gesund: "Es ist wichtig, dass die Patientinnen in Bereichen wie Hygiene, Sexualverhalten, Ernährung, Körpergewicht und Stuhlgangverhalten aufgeklärt werden. So lassen sich schon knapp ein Drittel der Infekte vermeiden.“ Wenn das allerdings nicht funktioniert und eine Blasenentzündung immer wieder auftritt, was bei circa einem Fünftel der Frauen der Fall ist, dann sollten laut Expertinnen andere Verfahren zum Einsatz kommen. Zum Beispiel Impfstoffe. In Deutschland gibt es bisher zwei zugelassene Präparate: UroVaxom und StroVac.
UroVaxom ist ein Mittel zur gezielten Immunstimulation, was täglich in Form von kleinen Kapseln eingenommen wird, meistens über einen Zeitraum von circa drei Monaten. Es besteht aus verschiedenen Escherichia coli - (E. coli) Stämmen - der Bakteriensorte, die in den allermeisten Fällen eine Blasenentzündung auslöst.
Forschende haben festgestellt, dass durch die tägliche Einnahme die allgemeine Abwehrkraft verbessert wird. Die Killerzellen - also die Makrophagenaktivität - steigen an, außerdem aber auch die Zahl der Antikörper, die wichtig sind zur Abwehr von Harnwegsentzündungen. Eine Impfung mit UroVaxom sorgt laut Studien bei den meisten Patientinnen für deutlich weniger Infekte.
Strovac ist ein seit 2004 in Deutschland zugelassener, abgetöteter Bakterienimpfstoff. Damit die Impfung ihre Wirkung entfalten kann, werden drei Spritzen innerhalb von zwei Wochen benötigt. Die Studien zur Effektivität der Impfung mit StroVac sind allerdings fast zwanzig Jahre alt. Neue Studien weisen kaum noch Vorteile dieser Impfung auf - was laut Experten allerdings ein Messfehler sein könnte. Das Präparat wird momentan noch mal getestet. Sowohl StroVac als auch UroVaxom enthalten bestimmte Erreger. Das heißt, sie sind nur wirksam, wenn genau diese Erreger auch Auslöser der Blasenentzündung sind.
Impfung ist keine Kassenleistung
Beide Impfungen sind in Deutschland wenig bekannt und werden kaum verschrieben, was primär an der fehlenden Kassenleistung liegt. Die Impfungen müssen selbst bezahlt werden und kosten bis zu 200 Euro. Das ist für viele Patientinnen abschreckend. Der Hauptgrund für die Selbstzahlerleistung: Impfungen gegen Harnwegsinfektionen werden momentan nicht als medizinisch notwendig angesehen. Die Studienlage zeigt noch keinen eindeutigen Vorteil gegenüber Antibiotika, welche außerdem deutlich günstiger sind. Das könnte sich in Zukunft aber durch die zunehmende Problematik von antimikrobiellen Resistenzen ändern.
Doch was macht es so schwer, einen guten Impfstoff gegen eine so häufige Infektion zu entwickeln? Lena Biehl, Infektiologin der Universität Köln, sieht im Interview mit ARD gesund vor allem das Darmbakterien E. coli als Ursache: "E. coli ist der häufigste Verursacher der Blasenentzündung und gleichzeitig ein ganz normaler Teil unserer Darmflora. Das heißt, unser Immunsystem lernt eigentlich, diese Bakterien zu tolerieren, statt sie zu eliminieren.“ Ein weiterer Grund ist die enorme genetische Vielfalt dieses Bakteriums: E. coli ist nicht gleich E. coli. Es gibt viele Bakterienstämme, die aber alle ein wenig anders sind. Das macht es schwierig, eine effektive Impfung zu entwickeln, die möglichst viele solcher Stämme abdeckt.
Vielversprechende Forschungsansätze
Doch in den vergangenen Jahren hat sich die Forschungslage zu wiederkehrenden Blasenentzündungen deutlich verbessert. Ein vielversprechender Forschungsansatz ist das Impfmittel MV140, ein Mischpräparat aus vier verschiedenen Bakteriensorten. Es wird zweimal täglich für drei Monate unter die Zunge gesprüht und soll nach Ananas schmecken. In Deutschland und anderen EU-Ländern ist es trotz guter Studienlage noch nicht zugelassen.
Andere Therapieansätze nehmen das Mikrobiom in den Fokus. Beim Fäkalen Mikrobiota Transfer, kurz F.M.T., werden Stuhlproben von gesunden Spendern aufgearbeitet und Betroffenen mit beispielsweise häufigen Harnwegsinfektionen verabreicht, um deren Darmmikrobiom aufzubauen. So wird es wieder vielfältiger gemacht, und bestimmte Bakteriengruppen können sich ansiedeln.