Studie zur Jugendsexualität Jugendliche haben immer später Sex
Jugendliche lassen sich mit dem ersten Sex mehr Zeit als noch vor wenigen Jahren. Das zeigt eine neue Studie. Die meisten erleben ihr erstes Mal heute erst mit 19 Jahren - häufig in festen Beziehungen.
Der erste Kuss, die erste romantische Partnerschaft oder das erste Mal: wichtige Erfahrungen im Leben eines Jugendlichen oder eines Erwachsenen. Einer neuen Studie des Bundesinstituts für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) zufolge werden Jugendliche immer später sexuell aktiv.
Während bei der vorherigen Erhebung 2019 die Mehrheit der Jugendlichen bereits mit 17 Jahren sexuelle Erfahrungen gemacht hatte, liegt das Durchschnittsalter inzwischen bei 19 Jahren. Insgesamt zeigt sich bei den 17- bis 19-Jährigen: Hatten 2019 noch 61 Prozent von ihnen Sex gehabt, sind es aktuell nur noch 40 Prozent. Auch unter den 14- bis 17-Jährigen ist der Anteil sexuell erfahrener Jugendlicher gesunken.
"Ergebnis kontinuierlicher und faktenbasierter Aufklärung"
"Die Ergebnisse zeigen deutlich: Junge Menschen lassen sich heute generell mehr Zeit und treffen bewusste Entscheidungen, wenn es um Sexualität geht", erklärt die stellvertretende Leiterin des BIÖG Mechthild Paul. Sie sieht die jüngsten Ergebnisse als Bestätigung: "Das ist kein Zufall, sondern das Ergebnis kontinuierlicher und faktenbasierter Aufklärung."
Mechthild Paul zufolge trägt eine umfassende Sexualaufklärung dazu bei, dass Jugendliche und junge Erwachsene verantwortungsvoll, selbstbestimmt und gesundheitsbewusst mit Partnerschaft, Sexualität und Verhütung umgehen würden. Die Ergebnisse der Studie belegten diese Annahme.
Meist geplant und in festen Beziehungen
Denn der erste Sex findet laut Studie überwiegend geplant statt - häufig in einer festen Beziehung oder mit einer gut bekannten Person. Zwei Drittel der weiblichen Befragten und mehr als die Hälfte der männlichen Befragten geben an, beim ersten Mal in einer festen Partnerschaft gewesen zu sein.
Die Mehrheit der Jugendlichen beschreibt den Zeitpunkt des ersten Geschlechtsverkehrs als "genau richtig". Dieses Empfinden hat sich im Vergleich zur letzten Erhebung nicht verändert.
Hohe Verhütungssicherheit beim ersten Sex
Auch beim Thema Verhütung zeigen sich Jugendliche überwiegend verantwortungsbewusst. Nur sechs Prozent der Befragten geben an, beim ersten Sex nicht verhütet zu haben. Am häufigsten wird ein Kondom verwendet - wie bereits in den Vorjahren.
Die Pille spielt beim ersten Mal eine geringere Rolle, gewinnt aber mit zunehmender sexueller Erfahrung an Bedeutung. Andere Verhütungsmethoden wie die Spirale werden bislang nur von einer kleinen Minderheit genutzt.
Sexualaufklärung vor allem in der Schule
Die wichtigste Quelle für Sexualaufklärung bleibt der Schulunterricht. Rund drei Viertel der Jugendlichen geben an, dort Informationen zu Sexualität und Verhütung erhalten zu haben. Auch Eltern und Lehrkräfte gewinnen als Ansprechpersonen an Bedeutung.
Das Internet wird zwar weiterhin genutzt, spielt aber eine geringere Rolle als noch 2019. Als besonders vertrauenswürdig bewerten Jugendliche Aufklärungs- und Beratungsseiten, während soziale Medien und KI-generierte Inhalte deutlich skeptischer gesehen werden.