Aktienmarkt auf Richtungssuche DAX mit angezogener Handbremse im Minus
Die Kurskapriolen der vergangenen Handelstage haben nachgelassen, doch die Kurse sinken weiter. Für Aufmerksamkeit sorgten Unternehmenszahlen und Henkel mit einer Übernahme.
Es war ein ruhiger Handelstag heute in Frankfurt. Doch waren Licht und Schatten ausreichend vorhanden. Mit einem Abschlag von 0,7 Prozent auf 24.603 Punkte ging der Deutsche Aktienindex (DAX) aus dem Tag. Auslöser für die Verkäufe war eine allgemein weiterhin schlechte Stimmung in der Technologie-Branche.
"Kurzfristig wird KI für den DAX vom Segen zum Fluch", schätzt Jochen Stanzl, Chefanalyst der Consorsbank, die Lage ein. "Anleger richten einen bangen Blick auf die runde Marke von 25.000 Punkten, nachdem der Index bei überdurchschnittlichen Handelsumsätzen einen Fehlausbruch aufs Parkett legte."
Zu den Aktien, die besonders unter den Sorgen vor KI-Konkurrenz litten, zählten aus dem Internetbereich Scout24, die zeitweise fast sechs Prozent einbüßten. Für die Anteilsscheine des stark im Software-Geschäft engagierten Technologiekonzerns Siemens ging es ebenfalls bergab.
Auf Sektorebene hatte ein Bericht im Handelsblatt über die Verlängerung kostenloser Emissionszertifikate durch die Europäische Union unterschiedliche Auswirkungen. In dem Medienbericht hieß es unter Berufung auf einen hochrangigen EU-Beamten, die EU-Kommission wolle ihr wichtigstes Klimaschutzinstrument, den Europäischen Emissionshandel, abschwächen. Geplant sei, über einen längeren Zeitraum als bisher vorgesehen kostenlose Zertifikate auszugeben, um energieintensive Unternehmen wie etwa aus der Chemiebranche zu entlasten.
Viele Titel aus dem Chemiebereich profitierten davon. BASF stiegen im DAX um vier Prozent Prozent, und Aktien des Chemikalienhändlers Brenntag setzten sich sogar an die DAX-Spitze. Im MDAX der wichtigsten Nebenwerte zogen Evonik , Lanxess und Wacker Chemie kräftig an.
Heidelberg Materials dagegen litten unter der Nachricht - laut Händlern, weil Anleger zuletzt darauf gesetzt hätten, dass der Zementkonzern ein Vorreiter dabei sei, die Produktion emissionsfrei zu machen. Dies wollten sich die Heidelberger eigentlich teuer bezahlen lassen, argumentierte der Börsianer.
Der Konsumgüter-Konzern Henkel will sein Geschäft mit Beschichtungen ausbauen. Deshalb kauft er für 2,1 Milliarden Euro das Luxemburger Unternehmen Stahl Parent. An der Börse wird der Milliarden-Kauf wohlwollend betrachtet: Henkel-Aktien stiegen deutlich stärker als der Gesamtmarkt.
Mit Blick auf den Technologiesektor hielten sich die Investoren an den US-Börsen am Mittwoch weiter zurück. Von einer Erholung gab es im frühen Handel beim Nasdaq 100, der am Vortag schon deutlich gefallen war, keine Spur. Anleger hinterfragen neuerdings, für welche Branchenunternehmen die Künstliche Intelligenz neben Chancen auch eine Gefahr bedeutet.
Klare Gewinne gab es aber für den stärker auf Standardwerte fokussierten Dow Jones Industrial, der im frühen Mittwochshandel zulegen konnte. Er blieb aber unter seinem Vortagsrekord von 49.653 Punkten.