Kevin Warsh (Archivbild: 11.12.2014)
analyse

Früherer Fed-Gouverneur Warsh Wer ist Trumps Mann für die Fed-Spitze?

Stand: 30.01.2026 • 17:20 Uhr

Mit Kevin Warsh soll nach dem Willen von Donald Trump ein Notenbanker die Federal Reserve leiten, der an der Wall Street wohlbekannt und angesehen ist. Doch wird er auch für eine unabhängige Fed eintreten?

Von Samir Ibrahim, ARD-Finanzredaktion

Wer ist der voraussichtliche nächste Chef der wichtigsten Zentralbank der Welt? An den Finanzmärkten wurde Donald Trumps Kandidat Kevin Warsh lange als zweite Wahl für die Leitung der Federal Reserve gehandelt. Nun zeigen sich viele Marktbeobachter recht zufrieden mit dieser Personalie.

"Steht für das traditionelle Bild der Fed"

Warsh kennt die US-Notenbank bereits von innen. Von 2006 bis 2011 gehörte er unter Präsident George Bush dem Direktorium der Fed an. Als Notenbankdirektor war er der wichtigste Verbindungsmann des damaligen Fed-Chefs Ben Bernanke zur Wall Street während der ​Finanzkrise 2008. Für Edgar Walk, den Chef-Ökonomen des Bankhauses Metzler, steht er auch deshalb "für die größte Kompetenz und das traditionelle Bild der Fed".

Warsh hat zwar nach Meinung von Volkswirten ein offenes Ohr für die Wünsche Trumps. Er sei umgekehrt aber auch geeignet, "die Unabhängigkeit besser zu verteidigen als andere", so Walk. Kritiker bemängeln jedoch, dass sich Warsh zuletzt offen für niedrigere Zinsen gezeigt hat, wie sie Präsident Trump fordert. Nach seiner Zeit in der US-Notenbank sei es auch zu Marktverzerrungen gekommen.

Sendungsbild

Jörg Krämer, Chefvolkswirt Commerzbank, zu Trumps Wunschkandidat für den Chef der US-Zentralbank

tagesschau24, 30.01.2026 • 18:00 Uhr

Spätestens nach einer Einladung Trumps zum Tee im Weißen Haus wurde der ehemalige Notenbanker als Favorit gehandelt. Die auf Vorhersagen spezialisierte Internetplattform "Polymarket" sah seine Nominierung mit einer Wahrscheinlichkeit von 94 Prozent.

Finanzmärkte atmen spürbar auf

An den Finanzmärkten wird die Personalie mit einiger Entspannung zur Kenntnis genommen. Schon nach der Einladung ins Weißen Haus erholte sich der Dollar, die Krisenwährung Gold verlor dagegen wieder an Wert.

Auch an den Aktienmärkten gab es eine spürbare Erleichterung. Das Vertrauen in den US-Dollar kehre allmählich zurück, heißt es von Händlern auf dem Parkett. Und damit auch das grundsätzliche Vertrauen in Aktien.

Was ein bisschen überrascht. Denn: "Am Markt wird Warsh als sogenannter Falke wahrgenommen - obwohl er zuletzt eigentlich für eine Zinssenkung war", sagt Carsten Brzeski, Chefvolkswirt der ING. In der Sprache der Notenbanker stehen "Falken" für eine restriktive Zinspolitik - gegenüber den Tauben, die eher für sinkende Zinsen sind.

Wirtschaftsberater Hassett erhielt Gegenwind

Ursprünglich hatte Trump Kevin Hassett favorisiert. Für ihn standen die Chancen auf den höchsten Posten in der US-Notenbank aber zuletzt schon sehr schlecht. Hassett, der wirtschaftspolitische Berater des US-Präsidenten, hatte nach viel Gegenwind schon vor Wochen erklärt, sein Interesse am Posten des Fed-Chefs sei nicht besonders groß.

Trump wollte anschließend seinerseits "Kevin Hassett da behalten, wo er ist": im Weißen Haus. An den Finanzmärkten hatte schon das zu einiger Beruhigung geführt. Hassett wird zwar als renommierter Ökonom angesehen, hat allerdings auch viele Kritiker.

Kevin Hassett

Kevin Hassett war urspüngliche der Favorit des US-Präsidenten für die Fed-Spitze, soll den Posten aber nicht erhalten.

Kurz vor dem Platzen der sogenannten DotCom-Blase zu Beginn des Jahrhunderts hatte er in einem Buch steigende Aktienmärkte prophezeit. Dann kam der Crash. Für viele Ökonomen noch schwieriger zu verstehen ist allerdings seine Haltung zur Zollpolitik von Donald Trump. Hassett unterstützt sie vorbehaltlos.

Hoch angesehen, aber schnell aus dem Rennen war Rick Rieder. Er ist Portfolio-Manager des Fond-Riesen Blackrock. Seine Nähe zu Donald Trump ist bekannt, er gilt jedoch auch als guter Stratege und ausgewiesener Kenner für das Geschäft mit festverzinslichen Anlagen - ein wichtiges Element der Notenbank-Politik. Als Portfoliomanager verdiene Rieder allerdings deutlich mehr, so David Kohl, der Chefvolkswirt beim Bankhaus Julius Bär.

US-Senat muss zustimmen

Auch wenn die Finanzmärkte den endgültigen Vorschlag jetzt begrüßen - eine automatische Wahl von Kevin Warsh wird es wohl nicht geben. Dazu sind die Gräben zwischen Trump und den Demokraten im Kongress zu groß. Der Präsident der USA hat beim Chefposten der Notenbank lediglich ein Vorschlagsrecht. Der US-Senat muss der Personalie zustimmen.

Hier werden die Demokraten nach Meinung von Beobachtern genau darauf achten, dass an der Spitze der US-Notenbank jemand steht, der dem derzeitigen Präsidenten Paroli bieten kann. Hintergrund ist der Streit um den derzeitigen Chef der Notenbank, Jerome Powell. Auch er wurde von Trump nominiert, ist wegen seiner zurückhaltenden Zinspolitik im Weißen Haus allerdings inzwischen in Ungnade gefallen.

Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank, geht davon aus, dass Donald Trump nicht noch einmal einen Kandidaten berufen wollte, der sich am Ende als unabhängig von politischem Einfluss erweist. "Ich befürchte, dass der künftige amerikanische Zentralbank-Präsident sich dem Wunsch Trumps nicht mehr in der Weise entgegenstellen wird, wie es Jerome Powell macht", sagte Krämer bei tagesschau24.

Ermittlungen gegen Fed-Chef Powell

Was die Demokraten besonders aufgebracht hat, sind die Ermittlungen des Justizministeriums gegen den aktuellen Chef der Fed. Jerome Powell wird vorgeworfen, im Zusammenhang mit der Sanierung von Gebäuden der Zentralbank in Washington vor dem Senat Falschaussagen gemacht zu haben - was er bestreitet. Das Vorgehen der Justiz wurde allgemein als versuchte politische Einflussnahme auf die Fed angesehen.

Dazu kommt: Vor einer Abstimmung im Plenum des Senats muss die Kandidatur des potenziellen Powell-Nachfolgers durch den Finanzausschuss der Parlamentskammer. Trumps republikanischer Parteifreund Thom Tillis hat jedoch angekündigt, dort zunächst alle Fed-Nominierungen zu blockieren, bis die Ermittlungen gegen Powell vom Tisch sind.

Der Chefvolkswirt der ING, Carsten Brzeski, sieht die Frage der Personalie gelassen. Es sei im Grunde egal, wer es am Ende werde, sagt Brzeski. "Jeder Kandidat wird sich als Liebhaber der Institution Fed entpuppen".

Dieses Thema im Programm: tagesschau24 | Nachrichten | 13.01.2026 | 14:40 Uhr

Pfeil hoch